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Wozu Anthropofagie? (2)/ Emergenz und Personifizierung (1)

1.

Heute findet das Mittwochsseminar statt, das in diesem Semester von Benno Zabel und Klaus Günther geleitet wird. Wir lesen und diskutieren einen Text zur Emergenz und Personifizierung von Gunther Teubner. Der Meister wird persönlich erwartet.

Teubner  ist ein Verzehrstheoretiker, ich halte ihn für einen Anthropofagen. Judge a book by it’s cover. Das Motiv auf Teubners schönstem Buch stammt aus der alchemischen Literatur der frühen Neuzeit und wird mit dem Begriff des Ouroboros assoziiert. Teubner hat die Version gewählt, die nicht einen Drachen und nicht eine Schlange zeigt, sondern zwei Wesen, deren Geschlecht geteilt ist. In der südamerikanischen Literatur zur Autopoiesis erfreute sich das Motiv ab den sechziger Jahren einer gewissen Beliebtheit. Das Verzehren soll hier reproduktiv sein. Es wird auch als Kreisen und als Rekursion gedeutet. Die alchemische Version der zwei Wesen, die das Geschlecht teilen und damit nicht einfach sich, sondern auch den Anderen (dessen Geschlecht sie teilen) verschlingen, wird mit Techniken der Transformation in Verbindung gebracht. Was in dieser Schlinge Autopoiesis ist, ist auch Carpoiesis. Car wie in caritas, carne, Cardea, carrier, care, Carrie (aka des Satans jüngste Tochter aka Sissy Spacek), scar, scat, Karte, Kardinal, scharwenzeln, Scharnier, Scharte, Schar und Scharia. Auto- und Carpoiesis ist ’ne Menge, ein dynamischer Haufen, dessen Grenzen niemals unscharf, immer aber in Falten sind. Diese Kar ist Schnitt und Schritt, in ihm kann man ein ‚babylonisches Paradigma‘ ausmachen, Scharwesen macht sie aus. Dieses Machen scharrt auch

2.

Gunther Teubner ist ein Theoretiker derjenigen Rekursion, die Schlingen, Knoten, Ketten und Kreuzungen bildet. In einem Text zur anonymen Matrix schreibt er auch von einem Schreien (wie im letzten Schrei/ d.i. Vogue) und legt damit die Vorstellungen des Kreischens, Kreisens und Kriselns nahe. Ich assoziiere das erstens mit einem veralteten Begriff, der über Lorenz Diefenbach in Grimms Wörterbuch kam, nämlich dem Verb ‚kreten‘ für protokollieren und dem Begriff ‚Kreter‘ für Protokollant. Zweitens assoziiere ich das mit dem, was vague und Teil anthropovaguer Wesen und anthropovaguen Wesens ist, noch des Verwesens, also dessen, was verdaut, faul oder wie something in the state (not only of Denmark), also rotten ist. es produziert Hamlets, aber es ist nicht nur tragisch, es ist auch komisch, produziert in dem Sinne Hamlets und Omletts (z.B. Humpty Dumpty).
An Teubners Theorie der Autopoiesis ist mir also dasjenige besonders interessant, an dem die Referenzen sich kräuseln, kehren und von Fremd- in Selbstreferenz oder umgekehrt von Selbst- in Fremdreferenz kippen.

Es gibt eine ekstatische, ekzessive Rekursion, sie schlägt aus wie die Mimesis (Balke/ Muhle &Lutz/ Siegert). Es gibt den Polarforscher Gunther Teubner und sein Wissen in Bezug auf Melencolia § 1 von Albrecht Dürer. Das ist mir der liebste Gunther Teubner von allen, nämlich derjenige, der mir im Distanzschaffen durch das Herz und meine Geister sowie alle anderen Körperregionen geht. Ich bringe heute ins Seminar einen Fotoapparat mit, sogar zwei, einen analogen und einen digitalen. Man kann nie wissen, welcher Apparat auf welche Weise und ob überhaupt was versagt. Doppelt gemoppelt hält besser, d.h. trennt besser,assoziiert besser und manövriert den Austausch besser.

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