
I.
Was man von Ernst H. Kantorowicz lernen kann: Was nicht hier statt findet, das findet da statt. Was nicht jetzt statt findet, das findet dann statt.
Am MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie begrüße ich besonders auch solche Forschung, der von den deutschen Ideenimmunen, Abratgebern und Verhinderern gesagt wird, sie „ginge nicht„, weil nämlich niemand das so tue. Alte Erfahrung. Während ich meine Dissertation geschrieben habe und hier und da erste Kapitel vorgestellt habe, hieß es (aus dem öffentlichen Recht und der sog. B.-Schule), so könne man man nicht arbeiten, weil das erstens niemand so tue und zweitens kein Mensch verstehen würde, was man da tue. Am Ende gab es für das, was angeblich nicht geht und was angeblich kein Mensch versteht, den Walter-Kolb-Preis für die beste Frankfurter Dissertation. Don’t trust den Ideenimmunen. Reiche den Abratgebern keinen kleinen Finger. Verschwende keine Sekunde auf Verhinderer.
II.
Im Moment pulsiert unser mobiler jour fixe wildly, gestern mit einem Vortrag von Johannes Rossi zu Hsü Dao Lin. Rossi arbeitet an der Geschichte und Theorie eines Rechts, das chinesisch gedacht wird. Dieses Recht ist nicht werden von Stabilität und Stabilisierung besessen, auch nicht von Ausdifferenzierung. Es ist weder vom Ausnahmezustand noch von Normalität besessen. Rossi entwirft mit rheinischem Gemüt (das braucht es in diesem Fall auch) diese Geschichte und Theorie über einen Schreiber und Reisenden. In Puter (das ist Rumantsch) könnte man Hsü Dao Lin einen der Randulins (Schwalben) nennen. Aby Warburg könnte ihn entweder einen Pendler oder eine Konstellation nennen. Bei Hsü Dao Lin ist der Begriff des Rechts dem Begriff des Risses und dem Begriff der Reise nicht nur affin, sondern auch verwandt. Rossi arbeitet avanciert an einem Kippmoment: Die Zeit dreht sich.
III.
A propos! Ende Mai findet die nächste Jahrestagung der Wiener ENA, also der Austrian School of Government statt. Ich bin im wissenschaftlichen Beirat und werde diesmal mit einem Vortrag über Fähnchen im Wind eine kleine Geschichte und Theorie der Bilderliste aus dem Geist des Wechsels oder vexillatio vorstellen. Wer Lust hat soll dazu kommen, muss sich aber anmelden!


IV.
Und sonst so? Wir haben illustre Gäste in diesem Sommer, u.a. Emil Buschmann und Tristan Wißgott. Uns fehlt noch ein Augustgast, wer hat Lust, mit uns im Sommer zu forschen?

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