Es gibt keine Kulturtechnikforschung, außer man tut sie.
I.
In Deutschland macht das u.a. Anna Polze. Sie hat 2010 in Weimar angefangen, Medienwissenschaft zu studieren. Ich auch. Der Unterschied lag nur darin, dass Sie das als Studentin tun durfte, während ich den Professor geben musste. Ich sage es jetzt so: Sie konnte das nicht nur entspannter angehen, sie tat es auch.
Vor zwei Jahren war sie auf der Tagung ‚Letter, oder: Objekte, die lassen, die das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie veranstaltet hat. Dort sprach sie über Tischeffekte und Tiers-Effekte (also unter anderem dazu, inwieweit Tische Medien und Medien wiederum Dritte sind).
In den Bildwelten des Wissens hat sie 2025 in dem von Roland Meyer herausgebenen Heft zur Bildforensik den Aufsatz ‚Im Feed erscheinen‘ veröffentlicht.
Very vorbildlich! Was genau ist an dem Aufsatz vorbildich? (1.) Polze versteht ein Forschungsfeld nicht als ein durch einschlägige Literatur bestimmtes Feld. Das Forschungsfeld wird nict darüber definiert, dass Autoren erst Bücher schreiben und dann Schüler haben, Das Forschungsfeld setzt sich aus Details zusammen, die Frage stellen. (2.) Die Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken wird nicht über die Vorstellung der Ausdifferenzierung, der Fragmentierung und des Einbruchs neuer und scheinbar präzendenzloser Techniken verstanden. Sie wird über archäologische Fundgruben wie etwa die Rhetorik verstanden. In Zukunft werden alle Bilder rhetorische Bilder sein, denn das waren sie in der Vergangenheit auch, zumindest in der Perspektive juridischer Kulturtechniken. Bilder sind darin nicht einfach sichtbar. Sie haben Protokolle. Sie sind Bild, weil sie bestritten oder aufgebracht werden. Sie sind Bild durch bildgebende und betrachtende Verfahren. Solche Verfahren sind auch juridisch, wenn sie Differenz operationalisieren, indem sie etwas unterscheiden, skalieren, schichten/ stratifizieren, messen, missen und mustern. Dem geht Polze im Detail nach.















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