
„Die folgenden Bilder geben den Eindruck, dass es Wirtschaften gibt.“ (Wit Bräukel)
I.
Es ist Mai geworden. Aus gegebenem Anlaß befasse ich mich seit ein paar Wochen mit Bildökonomie. Und nicht nur das. Auch mit Bildökologie befasse ich mich. Wie kommt’s?

Unter anderem kommt’s so: Wir arbeiten am MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in dichten und darum auch kreuzenden, überlappenden und anstoßenden Konstellationen. Wir haben zwar nicht ein Thema, an dem wir gemeinschaftlich arbeiten. Auch haben wir keine gemeinschaftliche Methode, keine gemeinschaftlich leitende Fragestellung oder Agenda. Wir treffen uns allerdings Montag für Montag, und das heißt : Montag für Montag Montage, also einmal die Woche Auseinander- und Zusammensetzung.
Da zeigt sich: Das einzige, was uns (in Zukunft) verbindet, sind nicht nur ‚die Probleme die wir teilen‘ (Bazon Brock),. Schon jetzt verbindet uns die Voraussetzung, dass wir (und das sogar in allen drei Abteilungen) professionell zur Multiplizität (multiplicity) arbeiten. Weil jeden Tag viel, oft sogar zuviel los ist, und ich darüber hinaus ohnehin schon seit 1992 vom Stadtrandbewohner zum überzeugten Stadtbewohner wurde, ist mir an diesem Begriff (multiplicity) pli der interessanteste Teil, und dies auch noch, obschon ich Städte schon sehr interessant und vieles sowieso interessant finde. Pli (oder Falte) ist aber nochmal darüber hinaus, also quasi super interessant, nicht nur wegen des Barock, Leibniz und Deleuze, sondern auch wegen dem, was Ino Augsberg die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt des Rechts nennt. Ich verstehe multiplicity darum als Arbeitsvoraussetzung so: wir arbeiten zu Falten,die sich sowohl vermehren und auftürmen, als auch vermindern und abflachen können, deren abschließende Zählung aber zuviel Zeit in Anspruch nehmen würde. Auch deswegen arbeite ich zu einer Bild- und Rechtswissenschaft, die sich nicht als Geschichte und Theorie einer Ordnung des Allgemeinen oder der Unterscheidung zwischen Totalität und Fragment begreift, sondern als Geschichte und Theorie der Wiederholung. Eine Schwalbe macht keinen Sommer, eine Falte kein Fragment. Daraus folgt: Das, wozu ich arbeite, also Bild und Recht, wiederholt auch etwas von dem, zu dem die Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Das ist keine Frage eines Zusammenhangs. Es ist wie gesagt eine Frage der Wiederholung. Anders gesagt: das, wozu ich arbeite, wiederholt auch dann etwas von der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen, wenn es nichts damit zu tun haben soll. Diese Wiederholung stiftet keinen Zusammenhang, nicht im Sinne von Gründen, Fundamenten und einer Ratio, auf die man bauen könnte. Und es wiederholt sich doch. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass alles auf der Welt mit allem und mit nichts zu tun hat, aber nie von selbst.
Die Wiederholung hat viele Varianten, also viele, mehr oder weniger verrückte, größere oder kleinere Wiederholungen. Die Affinität, die Verwandtschaft, die Paarbildung, die Reproduktion, die Nachahmung, Mimesis, das Familiäre, die Repräsentation, das Symptom, die Ähnlichkeit und die Stellvertretung, das sind alles Varianten (oder wie gesagt Wiederholungen) der Wiederholung. Die Entzweiung, der Zwist, die Konkurrenz, die Rivalität, die Kooperation, die Konfluenz und der Konflikt, sogar das Verzehren, das Begehren, das Verkehren, der Vergleich, die Abweichung, die Übersetzung und noch die Unähnlichkeit betrachte ich ebenfalls als Wiederholungen der Wiederholung. Dass ich mich im Moment mit Bildökonomie und Bildökologie befasse, das ist im Verhältnis zu dem, was meine Kolleginnen und Kollegen momentan tun, ein Fall solcher Wiederholungen.
Marietta Auers Kolloquium hat in diesem Sommer Law and Political Economy zum Gegenstand. Sie hat in jüngerer Zeit u.a. zwei Texte veröffentlicht zur dem, was man Schule oder Bewegung nennen kann und das insofern den Namen Law and Political Economy trägt. Für den Namen hat es sogar eine Abkürzung, damit man schneller weiß, womit man es zu tun hat, wie man das in Deutschland von politischen Parteien, Bewegungen, Unternehmen und vereinzelt sogar Drogen kennt. Es gibt Manifeste. Die Russen kürzen in der Regel anders ab. Sie kombinieren erste Silben, wie das bei Haribo oder GasProm der Fall ist. In Deutschland aber sind Abkürzung mit drei ersten Buchstaben im Alltag vertraut. In diesem Fall nennt sich die Schule und oder Bewegung nicht SPD, SED, CDU, FDP oder AfD, nicht AEG und nicht CSD oder LSD. Sie nennt sich, das liegt sicher nahe, LPE (d.i. Law and Political Economy). LPE, das legt die Namensgebung ebenfalls nahe, ist eine Art Partei, eine Art Einrichtung, eine Art Institution, zumindest Schule und Bewegung. Sie will u.a.,dass man schnell weiß, womit man es zu tun hat, denn die Abkürzung kommt aus der Bewegung selbst. Klingt auch ein bisschen wie NEP (also so, wie ausnahmsweise die Russen abkürzen, wenn sie von Neuer ökonomischer Politik etwas haben wollen). LPE ist etwas, das Autoren hat, die erst Bücher schreiben und dann nicht nur Leser, sondern eben auch Schüler haben sollen. Die LPE hat sich aus den CLS (man kann auch ruhig aus der CLS sagen, denn auch das ist eine Schule, Bewegung und Partei) entwickelt. Klingt jetzt ironisch und satirisch, ist es teilweise auch. Mindert aber nicht den Respekt und großen Eindruck, den ich von der LPE habe. Ich tendiere dazu, Witz zu machen, wenn ich den Eindruck habe, Forderungen nicht genügen zu können. Ich habe also noch den Eindruck, den Forderungen der LPE nicht genügen zu können, darum auch die zumindest versuchten Witze. Und in vollem Ernst: Partei zu sein, zu schulen und zu bewegen, das sind nun wirklich keine Aktionen, die gegen etwas sprechen sollten.
Vor wenigen Wochen war Florian Meinel zu Gast, der sich im Moment mit selbem Thema, also mit politischer Ökonomie und Recht befasst. Sehr eindrucksvoll, alles das. Mitreden kann ich (noch) nicht, muss ich ja auch nicht. Nur anstossen und irritieren lassen, das sollte ich. Und das tue ich auch. Marietta Auer ist kein Mitglied der LPE, das dürfte klar sein (zumindest denen, die Marietta Auer und die LPE kennen). Sie schreibt darüber – und hat ein Interesse, das unter anderem mit Zeit, Zählen, Messen und Verhandeln zu tun hat. Es gibt von ihr zu dem Thema also nicht nur die Texte, die sich direkt mit der LPE befassen, auch ihr Buch zur Musik ist als Buch zum dem zu lesen, was Economy sein kann. Nämlich auch das: Echonomy. Aber das führt jetzt zu schnell zu zu vielem, Schritt für Schritt werden wir in diesem Somme hoffentlich dazu etwas schreiben. Soviel vorab: endlich mal wieder was mit Echo, und endlich mal wieder Menke lesen und vorstellen (B., nicht C.), die ein paar sorgsame Kommentare zu Echo vorgelegt hat.

II.
Gute Gelegenheit, sich mit dem Eco-/ Öko- und dem Bild zu befassen.
In dem Forschungsprojekt zu Aby Warburg spielt das ohnehin eine Rolle. Was genau? Sagen wir so: die Wirtschaft, das Land und kreisende oder kursierende (Um-)Welten. Dieses Forschungsprojekt zu Warburg befasst sich nämlich mit der Summe und dem Manual von Aby Warburgs Bild- und Rechtswissenschaft. Warburgs Bild- und Rechtswissenschaft hat damit zu tun, dass Warburg in einem Bankhaus (vermutlich sogar dem wichtigsten Bankhaus des zweiten Reiches) und im sogenannten Wechsel- und Kreditgeschäft aufgewachsen ist. Er kennt das: Nicht nur Biographie, sondern alles Graphische kann schwankend und kursierend, kurz: schwankender Kurs sein.
Jeder graphische Zug kann auf- und abgehen, Schub geben oder zurückhalten. Ich betrachte Aby Warburg insofern u.a. als zwar ‚erkannt geisteskrank‘ (um eine Formel aus der Rechtsprechung u.a. zu Krediten, Bürgschaften und Notarkosten zu variieren), aber auch als ‚unerkannt kreditberatend‘ (vgl. zu der Formel von der unerkannten Geisteskrankheit BGH, Beschluss vom 26. Februar 2025; Az. IV ZB 37/24). Zumindest nicht jeder Warburgkenner versteht Aby Warburg so, wie er sich selbst verstanden hat, nämlich als Banker. Nicht jeder sieht in ihm den Kreditberater. Ein paar Leute aber tun es, zu denen gehöre ich auch.
Warburg wird in einem Haushalt groß, dessen Sitz jenseits der Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit eingerichtet ist. Betritt man den Kösterberg, die Sommerresidenz oder Villa der Warburgs, dann betritt man erwartbar repräsentative Räume, in deren Eingang Bilder an den Wänden hängen, deren Kunst auch zu demjenigen gehört, was man Kunstsystem nennt und was auf dem Kunstmarkt gehandelt wird. In den dann folgenden Räumen aber, die nicht primär darauf ausgerichtet sind, Gäste, Besucher und Bittsteller zu empfangen, hängen aber (mir) eher auffällig solche Bilder an den Wänden, deren Kunst zu demjenigen gehört, was nicht zum Kunstsystem zählt und nicht auf dem Kunstmarkt gehandelt wird, sonder zur Kunst der Vergütung, Gutmachung, Veredelung, des Passenden und Passierenden gehört. Diese andere Kunst nennt das römische Recht ius, d.i. Recht und Gerechtigkeit. In den Räumen, die funktional stärker auf das Kerngeschäft und das Familiäre der Warburgs ausgerichtet sind, hängen Bilder an der Wand, die Graphiken, Tabellen und Listen aus dem Geschäft nicht zeigen, sondern sind. Dort hängen Aktenauszüge und Kalender, die an die Geschichte der Bank erinnern. Diese Auszüge aus den Geschäftsbüchern, Akten und Kalendern werden zwar auf eine Weise gerahmt, wie man das auch vom Kunstsystem und Kunstmarkt, also zum Beispiel von klassischer Moderne (Picasso zum Beispiel) kennt. Dieser Rahmung sagt aber zuerst und zuletzt etwas über Wertschätzung aus, nicht über die Definition von Kunst im Sinne des Kunstsystems oder Kunstmarktes. Irgendwelche Indizien für Ausdifferenzierung und Fragementierung finden sich zur selben Zeit nicht. Warburgs Verdikt gegen ‚grenzpolizeiliche Befangenheit‘ ist ohnehin bekannt.
Warburgs Tafeln haben etwas mit Tabellen, Akten, Kalendern und Bilderlisten zu tun. Seine Bild- und Rechtswissenschaft ist auch Kreditwissenschaft und auch Wissenschaft von dem, was Eco- oder Öko- sein soll und dann entweder mit dem logos oder dem nomos assoziiert, also als Ökologie oder Ökonomie verstanden wird.
Aby Warburgs Staatstafeln (Tafel 78 und 79) geben in ihrer Eigenschaft als Summe und Manual also Anlaß, auch noch einmal über das Wissen nachzudenken, das mit der Qualifikation des Eco-/ Öko- versehen wird, mithin ein Wissen, das auch ökonomisch oder ökologisch sein soll. Warburg bietet Anlaß, vielleicht nicht unbedingt grundsätzlich über Eco-/ Öko- nachzudenken, aber dieses Denken unbedingt nicht in der Evidenz oder der Selbstverständlichkeit aufruhen und insoweit unbedenkt anfangen zu lassen.
Ich muss nicht davon ausgehen, tue es aber: nämlich davon, dass ich nicht weiß, was das sein soll und wie es sich unterscheiden soll die Ökonomie und die Ökologie. Ich muss nicht davon ausgehen, tue es aber: dass dieses Paar auffällig ist, also dass es auffällig ist, dass es neben der Ökonomie noch eine Ökologie geben soll und beide sogar eine getrennte Geschichte, getrennte Theorie und getrennte Praxis ‚haben sollen‘ oder gar ausdifferenziert sein sollen. Auch hier gilt, dass das nicht allen so scheint. Zu meinen Thesen gehört, dass Aby Warburg die Ökonomie von der Ökologie zwar unterscheidet, aber erstens nicht unbedingt groß unterscheidet und zweitens diese Unterscheidung durch Operationen macht, die nicht nur mit Trennungen einhergehen, sondern auch mit Assoziationen und Austauschmanövern. Warburg unterscheidet also nicht nur Ökonomie und Ökologie. Er verbindet und verwechselt sogar auch beides. Insofern sehe ich ihn u.a. Gabriel Tarde nahe.
Inbesondere in dem Text, den Florian Meinel mit einem Co-Autor vor kurzem in der sackgassigsten Zeitschrift des uns bisher bekannten Universums (im sog. Staat) veröffentlicht hat (wieso bloß da?), fällt mir noch etwas auf: ‚Ökonomie‘ und ‚ökonomisch‘ sind in zweifachem Sinne die häufigsten Wörter oder Begriffe in diesem Text. Sie kommen ersten in unübertroffen großer Anzahl vor und sind zweitens die beiden Wörter und Begriffe, die selbstverständlich oder evident behandelt werden. Stehen solche Selbstverständlichkeiten im Zentrum eines Wissens, verstehe ich das als Haufenbildung. Es scheint selbstverständlich oder evident, dass es Wirtschaften gibt und dass der Gegegenstand der Wirtschaft bekannt, vertraut oder verständlich ist. Ein Haufen trägt dieses Wissen. Das Problem scheint da anzufangen, wie man diesen Gegenstand rechtlich behandelt, also wie man zum Beispiel das Verhältnis zwischen Privatrecht und öffentlichem Recht auf diesen Gegenstand ausrichtet. Vielleicht habe ich es übersehen oder überlesen, aber eine Definition dessen, was Ökonomie sein soll und wie man sie alleine von der Ökologie abgrenzt, das ist dort kein Thema. Das aber wäre schon meine Fragestellung: womit hat man es zu tun, wenn man mit Ökonomie und Ökologie zu tun hat. Ich wüßte nicht, welchen Unterschied zwischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften so fundamental ansetzen und so gründlich einrichten könnte, dass davon ausgehend etwas Zuverlässiges und Vertrauenswürdiges darüber zu sagen wäre, was die einen wissen, die anderen aber nicht. Ich bemühe mich wieder einmal, jenseits des Dogmas großer Trennung und jenseits der damit einhergehenden Vorstellungen von Autonomie, Autopoiesis, Ausdifferenzierung und Fragmentierung zu operieren. Ich bemühe mich auch wider, mit Widerlegung nichts zu schaffen zu haben, also nicht beweisen zu wollen, dass eine Reformation oder Revolution falsch war oder mit einem bestimmtem Moment, sei es vor oder nach einer Revolution oder Reformation, jemand Unrecht hat und der Lüge überführt und auf einem Abweg lokalisiert werden kann. Ich bemühe mich, wieder einmal Details nachzugehen, die abseits der Ordnung des Allgemeinen, dafür aber mitten in den Wiederholungen liegen.
III.
Dem also gehe ich in diesem Sommer nach: Eco-/ Öko-, Bild.
Jetzt zur Methode: Ich ziehe das Thema in die Perspektive meiner Forschung. Das heißt, dass ich Eco-/ Öko- auf das hin betrachte, was dann erstens auch Bild und Recht und zweitens Bild- und Rechtswissenschaft sein kann. Die Bild- und Rechtswissenschaft ist eine Wissenschaft künstlicher Welten und ihrer Wiederholung (u.a.) durch juridische Kulturtechniken. Ich betrachte in diesem Somme also Eco-/Öko- auf das hin, was daran künstliche Welt ist und (u.a.) durch juridische Kulturtechniken wiederholt wird. Das wird sich nicht lange verbergen lassen: Ich betrachte Eco-/ Öko auf das hin, was daran Wiederholung, zum Beispiel Echo oder aber eine andere Weise der Reproduktion ist.
Ich habe jetzt also die Gelegenheit, endlich das Kapitel des Buches zu Warburgs Staatstafeln zu schreiben, in dem es um den unbekannten Kreditberater Aby Warburg, um das Bank- und Wechselgeschäft sowie um das Kreditwesen (die Kreditierung) geht.
Übernächste Woche (nämlich vom 26.5. bis zum 29.5.) bin ich dazu schon in Wien, wo ich über die Rolle römischer Akten und Kalender für die Geschichte und Theorie der Kreditierung sprechen werde (Vortragstitel nun: Fähnchen im Wind. Von Bilderlisten, der vexillatio, dem vexillum und dem Wechselgeschäft). Aby Warburg orientiert sich in visueller Hinsicht (und insoweit auch in konzeptueller Hinsicht) in seinem Atlas der Bildformeln an zwei Quellen des römischen Rechts, nämlich einer Akte (notitia dignitatum) und einem Kalender (Kalender des Filocalus). In konzeptueller Hinsicht orientiert er sich vermutlich auch an römischen Institutionen, d.h. an Gaius und Quintilian. In Wien wird es mir aber erst einmal auf die beiden Quellen ankommen, die er für seinen Atlas sehr direkt visuell nutzen kann: d.h. die Notitia Dignitatum und den Kalender des Filocalus.
Diese beiden Quellen zu nutzen, das liegt nahe, wenn man sich der Geschichte der Bildformeln mit dem Wissen einer Büro- und Studiokratie nähert, die älter ist , als die Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit und die Unterscheidung zwischen Staat und Gesellschaft. Büro- und Studiokratie heisst bei Warburg zwar auch Verwaltung, aber nicht unbedingt staatliche oder auch nur öffentliche Verwaltung. anders herum gedacht muss diese Verwaltung auch nicht unbedingt privat sein. Es kann sich auch um die Bürokratie einer Wirtschaft, eines Haushaltes und kreisender oder kursierender (Um-)Welten handeln, also etwa die Verwaltung von Geschäften. Warburg macht, was er macht, als private Praxis öffentlicher Dinge, ohne auf die Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit oder diejenige zwischen Staat und Gesellschaft zu starren und eine der beiden Unterscheidungen als Leitdifferenz zu verstehen.
In anderen Quellen römischen Rechts (als den beiden genannten Quellen) wird die Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit durchaus auch in der Antike schon zum Thema. In anderen Quellen spielen in der Antike Begriffe für Staat und für Gesellschaft durchaus auch eine Rolle (vor allem in den Quellen, die ab dem 19. Jahrhundert den Stolz deutscher Juristen auf ein römisches Erbe zementieren sollen). In den beiden Quellen, die Warburg sehr direkt visuell nutzt, da ist beides aber nicht der Fall. Die Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit spielt in der berühmten Akte und dem berühmten Kalender keine Rolle. Ein Begriff des Staates und ein Begriff der Gesellschaft spielt in beiden Quellen keine Rolle. In der einen Quellen geht es, salopp gesagt, um Kundenverkehr oder Verkehrskunde. In der anderen um die Verwaltung der Zeit.
Von der Akte wiederholt Warburg nicht nur die Aktenförmigkeit seiner Tafeln und ihre Technik der Bilderliste (also das, was Cornelia Vismann später als Routine, Verfahren und Algorithmus der Verwaltung begreift), sondern auch schlicht und einfach das Bild der Tafeln, die sich auf Tafeln stapeln. Vom dem Kalender des Filocalus wiederholt er sogar einzelne Blätter (zuerst auf Tafel 7). Von der Akte wiederholt er dazu noch das Bild der vexillatio und des vexillum – und das sind mehr und (!) weniger Fähnchen im Wind, nämlich wendige Einheiten und ‚meteorologische Bilder‘. Warburg geht schließlich mit der Sprache so um, wie mit Bildern (er behandelt beides als etwas, das aus kleinen, pendelnden Formen besteht). Er kann darum zu denen gehören, die daran glauben, dass sich der Begriff des Wechsels aus dem Begriff vexillum (flatterhaftes Bild oder aber Fahne) entwickelt hat.
In meiner Perspektive haben Ökonomie und Ökologie nicht unbedingt mit dem zu tun, was auf Deutsch als ‚Wirtschaft‘ oder ‚Umwelt‘ verstanden wird. Schon weil ich an beidem dasjenige betrachte, was daran künstliche Welt ist und durch juridische Kulturtechniken wiederholt wird, haben beide aber unbedingt mit einem Kreisen (auch Kursieren) zu tun, das bestritten oder aufgebracht werden soll oder aber selbst etwas bestreitet und aufbringt. Sowohl in der Ökonomie als auch in der Ölkologie machen die Wissenschaften Kreisläufe aus, die ich als Kreisen oder Kursen, Bestreiten und Aufbringen fokussieren möchte. Ich möchte dabei Formen fokussieren, durch die ein Regen oder aber Regungen gehen; ich möchte ein Regen oder Regungen fokussieren, die in Form sind. An philosophischen Begriffen wird also Form (morphe) und Bewegung (dynamis) und Kraft/ Intensität eine Rolle spielen. Wohl auch anima. Die leitenden Fragen würden dann u.a. so lauten: wie/ was ist ein ökonomischer, wie/was ein ökologischer Umgang mit Form, durch die ein Regen geht, und mit einem Regen, das in Form ist. Das Kreisen und Kursieren kann, muss aber nicht zyklisch sein. Es kann, muss aber nicht elliptisch sein. Es kann, muss aber nicht, chaotisch oder ordentlich sein.
Diese Perspektive auf Form und Regung hat mit meiner Forschung zu tun und mit der besonderen Bild- und Rechtswissenschaft, wie sie sich Aby Warburgs Arbeiten und Cornelia Vismanns Arbeiten entnehmen lässt. Ich gehe davon aus, dass Warburgs Leitfrage an Recht und Bild sich so formulieren lässt How to reign the rain? Warburg fragt weder nach Bildern noch nach einem Recht, die stabil oder stabilisierend sein sollen. Er fragt nach einem Distanzschaffen, das die Distanz, die es schafft, nicht zurücklegt, also zum Beispiel nicht der Linie eines Rationalisierungsstrahls entspricht, wie ihn Max Weber entwirft. Warburg fragt ausserdem nicht nur nach Distanzschaffen. Er sieht die Möglichkeit der Normen also nicht allein in einem Distanzschaffen, zumal einem Distanzschaffen, das die Distanz, die es schafft, nicht zurücklegt (dafür aber ein Pendeln operationalisiert). Er fragt auch nach einer ‚Verleibung‘ – die nicht Verkörperung und nicht repräsentativ sein muss. Die Verleibung kann auch symptomatisch sein; sie kann auch ein Verschlingen sein. Sie kann einer der ökonomischen oder ökologischen Vorgänge sein, nach denen ich frage, wenn ich mir die Frage stellen, was Bildökologie und Bildökonomie sein sollen.
In dieser Perspektive sind Recht und Regen (Regung) nicht nur affine Begriffe, es sind verwandte Begriffe. Deutlich soll gesagt werden: sie bezeichnen zumindest teilweise dasselbe, wenn, dann ein Selbes, das unruhig, unbeständig, klamm, phobisch, nervös oder aber (so bei Warburg und Vismann) begehrend, verkehrend und verzehrend (also vague oder vagierend/fagierend, wüst, verschwenderisch, verwitwet, geisternd, vorübergehend) sein kann. Die Form, durch die Regen oder Regung geht und das Regen /der Regen, die in Form sind, lassen sich als einerseits als Akt und andererseits Pass/ Passion verstehen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Bildwelten des Wissens (zu den Bildformen des Rechts) habe ich dazu einen ersten, ganz kurzen Entwurf auf Papier veröffentlicht, der schon einmal, die Formel vom unerkannten Kreditberater vorstellt. Wenn einem die Frage fremd ist, so ist sie immerhin schon mal nicht nur im Computer, sondern auch auf Papier und schwarz-auf-weiß in die Welt gebracht. Die eventuell fremdartige Perspektive und eventuell fremdartige Fragestellungen hat dann immerhin etwas von einem Begriff, in den man sich einarbeiten muss, wie das bei einer technischen Definition der ‚Nichtleistungskondiktion im Dreipersonenverhältnis‘ oder bei der Strafbarkeit von cum-ex-Geschäften der Fall ist. Die Leser sind aber eventuell schon längst mit Vismanns Theorie des Akts und der Akte sowie mit Warburgs Vorstellung von Pathosformel (und ihrer Bindung an Aktivität und Pass/ Passen/Passion/ Passivität/ Pathos) vertraut. Die Frage und die Perspektive ist dem Leser eventuell nicht fremd. Das wäre nicht unbedingt besser.
Was ist an Ökonomie und Ökologie ein Kreisen/ Kursieren, das mit einem Bestreiten und Aufbringen einhergeht? Was ist daran Form, durch die Regen geht. Was ist daran Regen, der/ die in Form ist? Nach Warburg geht dieses bestreitende und aufbringende/ bestrittene und aufgebrachte Kreisen und Kursieren mit Schwankungen einher. Sowohl Ökonomie als auch Ökologie hat in dieser Perspektive mit einem Wissen des Schwankens zu tun. Dazu gibt es viel zu sagen, bald auch hier auf meinem Blog.

„Die vorläufigen Bilder gehen davon raus, dass es Wirtschaften gibt.“ (Wit Bräukel)

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