Fähnchen im Wind zeigen Flagge: Illustration zu einer Rezension von Albrecht Koschorkes „Souveränität der Vernunft“ (FAZ, 03.06.2026)

I.

Wien, Wien, ja was denn nun?

Die Regierung wurde bis auf weiteres zurückgeschult. Nach dem Ende des Absatzes folgen die Folien meiner Präsentation in Wien St. Marx (wo, wenn nicht hier, Folien besprechen und damit folieren?). Ich besprach die gleich folgenden Folien an der Stelle des ehemaligen Rinderbahnhofes. Aus diesem Anlass sei vorher noch was erklärt: Man sagt, dieser Rinderbahnhof sei abgerissen, was auch stimmt. Er lebt allerdings nach. Er flüstert noch, manchmal sind es Fragen wie die: Was ist ein Bahnhof? Ein Bahnhof ist diejenige Stelle an einer Strecke, an der Züge halten und abgefahren werden. An dieser Stelle kommt damit sowohl das Halten als auch das Abgefahren-Sein vor, dazu wimmelt’s dort noch von Leuten, Bürgern, Völkern und Verlorenen. Ein Bahnhof kommt groß und klein vor, fast immer findet man dort sogar Treppen (Stiegen), immer aber Steige.

Bahnhöfe sind Orte, zu denen an sich und dementsprechend unbedingt Bahnhofsbuffets gehören. An einen Bahnhof gehören die üblichen Bäckereiketten nicht, keinesfalls! I No way, weg damit, mit allen fünf oder sechs Ketten, die so tun, als würden ihnen die Zukunft des mobilen Fressens gehören. Ich werde ihre Namen nicht nennen, ihnen gehört fristlos gekündigt.Der jetzt noch verstopfte, dann aber befreite Platz ist umzuwidmen.

An Bahnhöfe gehören Bahnhofsbuffets. Das ist vielfach förderlich, sogar ohne Schlagworte wie z.B. Demokratieförderung. Bahnhofsbuffets sollen möglichst große Säle sein, in deren vorderer Hälfte blanke Holztische stehen, in der hinteren Hälfte sollen die Tische mit Damastdecken und Damastservietten aufgestellt werden. Bahnhöfe brauchen Bahnhofsbuffets, die von nährstoffreichen Brühen, Suppen und Eintöpfen über Omletts und belegte Brote, Würste bis in zum Ragout allen Schichten der Gesellschaft ein Essen anbieten, das Maß des Zusammenlebens sein soll. Diese Säle sollen nur dasjenige der Revolutionen feiern, was gut daran war, sie sollen es implizit und zurückhaltend tun. Für Fröhlichkeit und Traurigkeit soll Platz sein. Pächter und Mitarbeiter sollen vollständig steuerbefreit sein, wie Pfingstkirchen in Brasilien, Influencer in Dubai und Erben in Monaco. Der Pachtzins ist so zu gestalten, dass das Gebäude mit angemessener Patina erhalten werden kann, freilich sollen die Pächter dazu nur ihren Anteil leisten. An den Wänden sollen die Sitzgelegenheiten Bänke sein, damit die Kleinen auch kurz einmal einicken und Pensionäre ein wenig schnarchen können, während der Rest der Familie noch speist. Bahnhöfe müssen Bahnhofsbuffets haben, die möglichst noch in dieser Halle, mehr oder weniger abgeteilt such Platz für eine Theke oder Bar haben, an der man sowohl auf hohen Hockern sitzen oder aber stehen kann. Neben den Essern ist Trinkern angemessen, d.h. nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, Raum einzurichten. Irgendwo hat eine leicht scheppernde Flügeltür mit Gläsern zu sein, wenn auch nicht am Eingang, aber irgendwo. Kunden, die den Klang des lokalen Dialekts nachmachen können und darüber hinaus noch so tun können, als würden sie zwei weiter Sprachen sprechen, ist Rabatt in Höhe von 5% zu gewähren. Kinder unter 10, die überzeugend erklären können, dass sie in ihrem Leben schon einmal ein Schiff gesehen und auf ihm sich sicher bewegt haben und die dieses Schiff so zeichnen können, dass es nicht völlig infantil aussieht, bekommen kostenlos drei Eiskugeln kleiner Größe.

Die Abschaffung der Bahnhofsbuffets ist nach der rest- und kompromisslosen Abschaffung städtischer Pferdefuhrwerke und Handkarren eines der erklärlichsten Ereignisse europäischer Stadtgeschichte: Die Leute sind zwischendurch immer mal wieder bekloppt, was denken die sich dabei? Sowas wird doch nicht dadurch gutgemacht, dass man Lastenfahrräder erfindet. Zur Erinnerung: Bahnhöfe sind jene Stellen an Strecken, an denen Züge halten und abgefahren werden, beides! Ohne Bahnhofsbuffets wird das nix oder Murks.

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