I.
Seit Aby Warburgs Geburtsjahr, also seit 1866, unterscheidet man auf begriffliche Weise die Ökonomie von der Ökologie. Bis 1866 kursierte (nur) der Begriff der Ökonomie. In Abys Geburtsjahr publiziert Ernst Haeckel dann aber ein Buch zur Morphologie, in dem für die Moderne das erste mal der Begriff der Ökologie auftaucht. Das Buch handelt dabei von Morphologie, vom Logos und Lex, vom Gesetz, von Sprache und von Lesbarkeit der Formen jener Wesen, die man unter anderem als lebende oder ausschlagende Wesen begreift. Lebende Wesen zählen wir zu dem Wesen, an dem irgendwas immer ausschlägt. Es hat eine Frequenz, wie Wellen, Schwingen oder Wiederholungen sie haben. Manchmal ist das nur das ein Organ, das pumpende Herz oder das pulsierende Hirn, manchmal schlägt der ganze Körper aus. Man schlägt die Gattung aus. Manchmal schlägt dasjenige im Körper aus, was seit der Antike mit der Psyche assoziiert wird. Wir ignorieren nicht, dass man lebende Wesen von nichtlebenden, unbelebten und toten Wesen unterscheidet. Wir gehen aber davon aus, dass (um ein Beispiel zu nennen) auch der Stein in seismischer Aktivität und der Kosmos, einmal vom Blitz angestoßen, ausschlagen können, dass also sämtliche Unterscheidung des Lebens (beide Genitive) ausschlagen und unbeständig sind. Maschinen pumpen oder pulsieren auch, sie schlagen auch aus. Wir wären nicht die ersten, die insoweit sogar das Leben und die Technik auch dann zusammen denken, wenn alles unterschieden werden kann. Wir wären nicht die einzigen, die animierte/ animalische/ animistische Wesen und artifizielle/ künstliche Wesen zusammendenken. Wir wären nicht die ersten, die dasjenige, was erscheint, was sein soll oder was wahrnehmbar sein soll als etwas denken, was operativ, dynamisch/ Energie und unbeständig ist.
Es gibt zwar die Vorstellungen, die Verbindungen zwischen Lebewesen wie dem Menschen und technischen Apparaten wie einem Handy/ Mobile sei auf die Weise zu beschreiben, wie man das Aufkommen der Kleinbildkamera um 1900 beschrieben hat, nämlich als Einbruch eines neuen Mediums in eine Welt, in der es vorher kein Bild, nicht einmal ein Wissen um das Bild gegeben hätte. Die Thesen vom Einbruch der Bilder in eine bis dahin bildlose, bildarme oder bildnaive Welt gehen auch mit der Vorstellung einher, ab da würde etwas assoziiert, was vorher getrennt gewesen sei: Das natürliche oder geistige Menschenbild binde sich nicht nun an einen künstlichen optischen Apparat. Ab nun würde technisch reproduziert, was bis dahin auf nicht technische Weise reproduziert worden sei. Die Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken ist unter anderem darauf ausgerichtet, darzulegen, dass die Geschichte des Einbruchs neuer Medien und neuer Techniken sowie die Geschichte der Verbindung dessen, was vorher getrennt gewesen sein soll das Feld ist, in dem Aby Warburg seine Idee vom Nachleben der Antike entfaltet. Sie soll auch darlegen, dass die Erzählungen, nun würde durch neue Medien und neue Techniken getrennt oder fragmentiert, was vorher noch verbunden gewesen sei, auch auf diesem Feld liegt. Auch in dieser Geschichte lebt also Antike nach.
Das heißt: seit der Antike, so die These, gibt es die Assoziation, die Trennung und das Austauschmanöver zwischen Menschen und Maschinen, zwischen menschlischem und nichtmenschlichen Wesen, zwischen lebenden Wesen und nicht lebenden Wesen, zwischen Körpern und Geistern. Sie gibt es sogar überall (Athen und Oraibi zum Beispiel) und immer, allerdings an jeder Stelle nur durch durch eine Wahrnehmung, die auch (Aus-)Übung ist, durch Instituierungen, die auch Substituierungen sind und die wir großzügig unter den Begriff juridische Kulturtechnik fassen weil sie dabei kooperieren, Recht und Rechte wahrzunehmen. Diese Assoziationen, Trennungen und Austauschmanöver zwischen menschlichen Wesen und nichtmenschlichen Wesen, zwischen Lebendem und Totem, die gibt es immer und überall, aber jeweils in anderen Frequenzen und Sequenzen. Aby Warburgs Beitrag für eine Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken ermöglicht es, einen Blick dafür zu entwickeln, dass zum Beispiel Felix Guattaris Maschinentheorie eine Vorstellung ist, in der Antike nachlebt. Guattaris Theorie hat eine Geschichte die in Elementen antik ist. Die Archäologie hat mit einem Projekt zum Maschinenraum der Götte nachgewiesen, dass sogar in der Geschichte der bestimmenden Medien des 20. Jahrhunderts, im Kino und im Computer, Antike nachlebt – weil es beide Medien in der Antike gab. Es gab sie dort anders (wie bei allem), aber nicht total anders.
Warburgs Beitrag ermöglicht es, einen Blick dafür zu entwickeln, dass in den indigenen Kosmologien, die heute in faszinierenden und inspirierenden Readern von stw1 wie frische Importe nach Europa serviert werden, Antike nachlebt. Statt von einem Einbruch neuer Welten, neuer Medien und neuer Techniken in bis dahin alte Welten zu sprechen, versuchen wir am Ende dieses Sommers der (Bild-)Ökonomie, Beschreibungen zu entwickeln, die sich an ökonomischen/ ökologischen und echographischen Vorstellungen orientieren. Eine der Thesen lautet, dass die Unterscheidungen des Lebens (beide Genitive) auch zu dem gehört, dessen Wesen ausschlägt und pulsiert. Die Unterscheidungen des Lebens kontrahieren und distrahieren. So ist das Leben und der Tod an keiner Stelle perfekt getrennt oder perfekt assoziert, an keiner Stelle ist das Austauschmanöver perfekt.
II.
In dem Buch aus Abys Geburtsjahr publiziert Haeckel also eine Invention, eine Erfindung, und zwar die Erfindung des damals neuen Wortes. Das ist das Wort Ökologie. Die Erfindung macht eine Unterscheidung zwischen Nomos/ Nemesis einerseits sowie und Logos und Lex anderseits explizit. Haeckel wird den Begriff der Ökonomie für anderweitig besetzt gehalten haben, davon wir gehen wir jetzt einfach mal aus. Wir interessieren uns für alles, was auch an dieser Unterscheidung unbeständig ist. Wir interessieren uns also auch dafür, was an dieser Unterscheidung zwar differenziert, aber nicht ausdifferenenziert ist.
Wir unterscheiden jetzt auch Ökonomie und Ökologie, und wie immer machen wir das durch Operationen, die etwas trennen, assoziieren und einen Austausch manövrieren. Man kann die Bildökonomie von der Bildökologie also unterscheiden. Man wird dabei etwas wechseln, auch aus- und verwechseln.
Kommen wir enldich wieder zu Hogarth, der mit solchen Überlegungen glücklicherweise nicht direkt beschäftigt scheint. Wie sie ihn treffen, das wird zu überlegen sein. Meine Serie von Texten zu A Rakes Progress und dem stock character exchange versteht sowohl die Ökonomie als auch die Ökologie erstens als Bereiche ausschlagender Wesen und zweitens als Bereich leidenschaftlicher Teilung und Teilnahme. Zu beiden Bereichen stellen wir noch einen dritten Begriff, den der Echographie, schon weil uns neben dem Nomos und dem Logos auch die Graphie interessiert. Neben dem Oikos interessiert uns das Echo.
Wir können uns für diese Vorgaben rechtfertigen, weisen aber vorsorglich darauf hin, dass wir sie aus der Forschung zur Geschichte und Theorie der juridischen Kulturtechniken ableiten. Diese Kulturtechniken liegen unterhalb der Schwelle des Rechts. Wo sie gründlicher wären, da wären sie auch ‚untergründlicher‘, also zum Beispiel chthonischer oder von Gründen immerhin ein wenig nach unten hin entfernt. Wir leiten diese Vorgaben dabei unter anderem aus Arbeiten von Aby Warburg und Cornelia Vismann ab. Beide assoziieren das Recht mit dem Begehren. Aby Warburg macht das unter anderem auf Tafel 79, auf der eine der Pathosformeln die Pathosformel der Querela und die Pathosformel der Spes in einer Form auftauchen, die austauschbar, verwechselbar und übersetzbar ist. Wir verstehen davon ausgehend die Erwartung als das, was in Hoffnung übersetzbar ist (et vice versa/ und die Laster sowie Transporter verkehren es auf versierte Weise). Wir verstehen Hoffnung als etwas, was ins Begehren übersetzbar ist (et vice versa/ und die Laster sowie Transporter verkehren es auf versierte Weise). Warburg geht noch weiter: er versteht das Begehren als etwas, was in das Verzehren und Verkehren übersetzbar ist, und das in alle Richtungen, vor und zurück. Das ist Teil seiner Vorstellungen von Unbeständigkeit und Polarität.
Aby Warburg assoziiert das Begehren mit den juridischen Kulturtechniken des Distanzschaffens und der Verleibung, das wie gesagt unter anderem auf Tafel 79, dort auf besonders explizte, deutliche Weise. Er expliziert, was Distanzschaffen und Verleibung sein sollen. Wir werden darauf noch genauer zu sprechen kommen. Beides als juridische Kulturtechnik zu begreifen, das ist unser Vorschlag, wir werden auch dazu noch etwas sagen, auch wenn wir uns insoweit wiederholen.
Cornelia Vismann assoziiert das Recht mit dem Begehren unter anderem in ihrem ersten Buch, dem über die Akten, dort unter anderem in den Passagen zu Kafkas Saum und zu dem, was im römischen Recht pomerium genannt wird. Das pomerium ist erstens eine ziemlich gründliche Linie römischen Recht und zweitens vorgeschoben. Bei Vismann ist diese Linie ein graphischer Zug, das sind die Pathosformeln Warburg ebenfalls. An einer Stelle dieses Buches benennt sie den graphischen Zug als „vagierend“, also als verkehrend, verzehrend und begehrend. Diese Benennung wiederholt etwas von der Benennung, die Gertrude Bing nach dem Tod Aby Warburgs für Tafel 79 vorgenommen hat, denn aus ihren Notizen stammt der Titel dieser Tafel, das ist die Formulierung „Das Verzehren Gottes“.
Wir leiten unser Interesse an Oikos und Echo damit auch aus dem Begehren ab, von dem wir annehmen, dass es aus der Fülle kommt, nicht aus dem Mangel. Wir leiten unser Interesse an Oikos und Echo damit auch nicht aus einem Mangel der Wissenschaft und einem Mangel der Welt ab. Beide gibt es auch, aber diese Mängel assoziieren wir mit dem Bedarf, der aus dem Mangel kommt. Das sind Vorgaben, von denen wir glauben, dass sie auch einer Rechtfertigung vorgehen und dass an ohne sämtliche Rechtfertigungen vergehen. Wir kommen später auf andere Definitionen von (Bild-)Ökonomie und andere Wahrnehmungen der Verhältnisse, in denen diese Bildökonomie gedacht wird. Diese anderen Definitionen halten wir weder für falsch, noch für mangelhaft oder widerlegbar. Allerdings hat das Begehren bei ihnen eine andere Stellung und die juridischen Kulturtechniken spielen bei ihnen explizit und begrifflich keine Rolle. Das Vague, die Unbeständigkeit und die Polarität, die spielen dort zumindest auf explizite Weise und begrifflicher Ebene auch keine Rolle. So ist unsere Ansatz eben anders, aber wohl nicht total anders.

Dieses dritte Blatt zeigt jetzt das erste mal eine Treppenszene absteigender Art, also die Treppenszene, die Absteigen sind. Hogarth gibt die Adresse dieses Ortes durch eine geöffnete Tür an. Ein Diener (das ist jemand, zu dem der Baseler Archäologie Markus Krajewski ein Standardwerk der Forschung zur Geschichte und Theorie der Kulturtechniken geschrieben hat) gibt für das Bild die Richtung vor, in die man geht, wenn man ins Bild geht: dann geht man runter. Man geht in die Bereiche, die in rhetorischen Institutionen, nämlich bei Quintilian, als Bereich ausschlagender Wesen und auschlagenden Wesens verstanden werden und darum auf einer Skala registriert werden, und zwar im unteren, niedrigen, kleinen Bereich der Skala. So einen Bereich nennt Quintilian den subtilen Bereich, zu dem Begriff werden wir kommen.
Das Begehren ist etwas, was von Tor zu Tor und von Tür zu Tür und von Fenster zu Fenster geht. Es geht von Symbol zu Symbol, vom bolischen Objekt zum bolischen Objekt. Das Begehren geht vom Akt zum Akt, vom Pass zum Pass. Es steigt dabei auf und ab. Das Begehren ist eine Dynamik, eine Bewegung, ein Regen und ein Energie ausschlagender Wesen. Man soll ihm auch darum viele Namen geben und nicht aufhören, den Begriff zu übersetzen, das allerdings in alle Richtungen, auch zurück dorthin, von wo es kam, und sei das der Denk- und Zeitraum der Antike.
Hier kann das Begehren also vorbeikommen. Kommt es vorbei, kommt es nur, aber immerhin vorbei.
II.
Dieses Blatt zeigt, wie jedes Blatt der Serie, viel und vieles. Unter anderem zeigt es das, was in der Literatur zur Ökonomie und Ökologie (Selbst-)Ausbeutung genannt wird. Tom beutet die Prostituierten aus, er beutet sich aus. Hogarth zeigt durch mehrer Details, dass Tom seinen Körper nicht wir einen Tempel behandelt und dass er Raubbau an seinem Körper betreibt. Er trinkt zum Beispiel zuviel Alkohol, which provokes the desires, but takes away the performance (William Shakespeare). Toms phallisches oder bolisches Objekt ist kein Ständer, der Degen und Stecher, der ist zwar nicht schlaf, aber er hängt ziemlich. Chritstoph Lichtenberg, einer der berühmten Betrachter und Kommentatoren dieser Bilderliste, bemerkt, dass an Tom alles hänge: der Degen, die Kleidung (Trachten!), die Glieder und der Körper auch. In dem Bild ist dieser Umstand des Hängens aber auch dezent. Dass hier kein Ständer ist, das kann sogar auch ziemend und geziemt, sogar als Zähmung verstanden werden. Die Reizabfuhr läuft hier über den Alkohol, nicht über den Geschlechtsakt. Man kann es schlecht finden, dass Tom hier zwar etwas begehrt, aber nicht zur Performanz in der Lage zu sein scheint. Man kann das aber auch für gut halten, dadurch sinkt immerhin eine Ansteckungsgefahr. Er beutetn aber wie gesagt nicht nur sich aus, er beutet auch die Frauen aus. Man sagt damit, dass er sie für ihre Leistung bezahlt und dass darin eine Asymmetrie steckt, etwa diejenige, dass er frei, vermögender Erbe und mächtig sei, sie aber nicht. In stratifikatorischer Differenzierung stünde er über ihnen, sie unter ihm, das sagt man damit. Sie beuten ihn allerdings ebenfalls aus, und sie beuten sich ebenfalls aus. Hogarth zeigt, dass sie auch gewisser Handlungen mächtig sind und dass man sie auch als Freie begreifen kann. Sie klauen ihm die Uhr, die meisten von ihnen sind im Bild wacher als Tom und vor allem noch voller Spannung. Das die Ausbeutung hier reflexiv und transitiv verläuft, sie also ein Fall ist, in dem die Beteiligten jeweils sich und den anderen ausbeuten, ist die ausbeutung zugleich heterarchisch bis (es tut mir leid, das sagen zu müssen) anarchisch organisiert. Alle Personen im Bild sind auf aktive und passive Weise Beute. Jede Person ist liefert hier in Sachen Aubeute das, was wir Bildakt und Bildpass genannt haben, Wir werden diese Ausbeutung mit den Kosten assoziieren.
Und noch etwas: im zweiten Blatt sind wir dem begegnet, was Levée genannt wird und sowohl dämmernd als auch dämmend, sowohl erhaben als auch erhebend sein soll. Wir werden uns Gedanken dazu machen, wie sich das zum dem verhält, was hier als subtil ausgewiesen wird. Inwieweit widerholt sich in Blatt 3 etwas von Blatt 2? Eine Frage ist also, ob auch auf diesem dritten Blatt etwas dämmernd und dämmend, sich erhebend und erhaben sein soll. Ja, aber in einer Inversion. In medias res: die Figuren sind hier durch auch schwarze Flecken gezeichnet. Kulturtechnisch sind solche schwarze Flecken (und Kerben) zwar ohnehin dasjenige an (Kontra-)Signaturen, was sie auszeichnet.2 Hogarth assoziiert aber diese schwarzen Flecken mit der Syphilis. Sie ist sexuell übertragbar und gehört in den Bereich dessen, was so normal wie pathologisch ist. Die Frage nach juridischen Kulturtechniken ist immer auch eine Frage nach dem Wie, also etwa danach, wie hier etwas dämmern und dämmen soll, wie hier etwas erhebend oder erhaben sein soll. Dass die Syphillis verdammt wird und dass ihre Wirte, die Angesteckten, verdammt werden, das setzen wir voraus, umso dringlicher wir die Frage wie, wie hier etwas dämmern und dämmen soll. Wir machen damit die Frage nach den Kosten und die Frage nach der Ausbeutung nicht komplizierter, als sie ist. Die Pathologie wird auch als erhebend und erhaben gedacht, auch das ignorieren wir nicht. Es wird gesagt, dass sie gedämmt, eingedämmt werden soll, auch das ignorieren wir nicht. Nur ist eben unser Interesse auch auf den stock character exchange, auch auf das Kursieren, auch auf das Ausschlagen, den Auf- und Abstieg, auch auf Unbeständigkeit und Polarität gerichtet. Wir können uns darum nicht damit begnügen, was so zu Pathologie oder zu Syphillis gesagt wird, wenn es heißt, dass sie gedämmt sein und verdammt sein sollen. Wenn der Mensch nur eines unter den zahlreichen Wesen ist, das ausschlägt, dann soll nicht vorausgesetzt werden, dass der Mensch das erste, das letzte und das höchste Wesen ist, das auschlägt. Nicht einmal dass die Menschen in dem Moment, der aktuell sein soll, die letzten Menschen sind, soll vorausgesetzt werden. Sonst käme uns unsere Bildökonomie, unser Bildökonomie und unsere Echographie nicht mehr als etwas vor, was aus der Fülle kommt und an ausschlagenden Wesen hängt. Hier ist etwas im Bild, was den Menschen umbringen kann, das sagt man so von dem sterblichen Wesen. Hier ist etwas, was ihn vor der Zeit umbringen kann, dass ihm den Verstand und die Sinne rauben kann. Das sind Vorgängem die Menschen machen: sie bringen andere Wesen um, bringen andere Wesen um den Verstand und die Sinne. Es ist verständlich, dass der Mensch nicht will, dass ihm geschieht, was er anderen tut. Jetzt sind wir aber nunmal in einer ökonomischen, ökologischen und echographischen Betrachtung. In ihr ist die Pathologie das Element einer Haushaltung: Wo etwas zuviel wird, da kippt es in eine Verringerung. Die Erscheinung von Menschen, sei das jetzt quantitativ und qualitativ gesagt, gleicht sich durch Pathologie nicht aus, aber sie ist Teil des Umstandes, dass hier etwas auschlägt. Zahlen gehen hoch und runter. Die Syphilis ist dasjenige, was in Hogarths Bildern direkt als Symptom und nicht verschlüsselt und repräsentativ vorgestellt wird. Exemplarisch soll sie in negativem Sinne sein. In Hogarths Zeit ist die Syphillis das, was in der Zeit ab den späten 1970′ er Jahren HIV war. Beides ist wohl auch immer noch das, was es war. In Bezug auf beide ist von Rückkehren und Wiederkehren die Rede (und das auf ambuige Art und Weise). Dass gesagt wird, auch dieses Virus namens HIV sei schlecht, verdammt und zu verdammen, das können wir weder ignorieren noch uns damit begnügen.
Alles das gilt so, wie es auch für Kosten und Ausbeutung, also zum Beispiel für das gilt, was in manchen Entwürfen zur Ökonomie, also zum Beispiel in Entwürfen der Law-and-Political-Economy- Bewegung zum Kapitalismus gesagt wird. auch insoweit heißt es ja, er sei verdammt und zu verdammen, oder es heißt auch hier, er sei zu dämmen. Auch hier heißt es, der sei normal und pathologisch. Hoffentlich noch einmal einfach gesagt: Hogarths Satire assoziieren wir mit der Lex Satyrica des kanonischen Rechts (also mit den Bestimmungen aus Gratians Decretum) und wir gehen davon aus, dass dort kein Element nur gut oder nur schlecht, nur richtig oder nur falsch ist, nur schön oder nur häßlich ist.
[…]
- Speziell greife ich das Beispiel heraus: Bernardo Bianchi, Andreas Lipowsky, Oliver Precht (Hg.), Die ontologische Wende. Indigene Kosmologien und die Dekolonialisierung des Seins, Berlin 2026 ↩︎
- Fabian Steinhauer, Der Patriot Act und der Autopen. Eine Geschichte zur Theorie der (Kontra-) Signaturen, in: Archiv für Mediengeschichte 16, S. 163-176; Tilman Richter, Das „diplomatische Jahrhundert“. Die Mediatisierung von Zeitverhältnissen in den Staatswissenschaften des 18. Jahrhunderts, in: Kulturwissenschaftliche Zeitschrift (Link zum Text) ↩︎

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