
I.
Fußnoten sind erfunden worden, damit man sie auf den Kopf stellt . Die Welt wiederum ist globalisiert worden, damit man sie auf die Füße stellt (Wit Bräukel).
Upside Down, boy you turn me! (Diana Ross).
Es gibt die Kurzbeschreibung eines vertrauen Stils. Niklas Luhmann beschreibt in einer Fußnote seines Buches über Rechtssystem und Rechtsdogmatik den Frankfurter Stil realistisch und treffend. Er nennt ihn eine Mixtur. Dieser Stil ist entsetzlich schriftsätzlich. Dass Luhmann diesen Stil versteht, das ist keine Frage. Aber wie er ihn versteht, das bleibt die kulturtechnische Frage.
Dieser Stil könnte melancholisch sein, dann fehlt dem Stil das, was er hat. Und dann ist seine Klage das Begehren, das er hat. Der Frankfurter Stil kann rekursiv und widersprüchlich sein. Er kann rekursiv und mimetisch sein. Es kann sein, dass der Frankfurter Stil nicht nur Frankfurter Stil ist.
Den Frankfurter Stil kenne ich gut, bin ja einer von denen. Es gibt wohl Frankfurter, die der Rechtswissenschaft vorwerfen, sich nicht gegenüber Kulturtechnikforschung zu öffnen und die mir aber gründlich auszutreiben versuchen, dass ich es tue. Sie werfen den Leuten vor, zu wenig über den Reichtum und die Innovation der Kulturtechniken zu schreiben, mir aber, dass ich viel zu viel darüber schreibe. Das sind schon mal ein- und diesselben Personen.
Gibt es solche Leute nicht überall? Idioten gibt es viele, am Rheine und am Nile. Aber ist es so schlimm, ein Idiot zu sein? Wir sind doch selber welche. Bin nur ich mir manchmal zu wenig, manchmal zuviel?
Wir Kulturtechnikforscher (the Kulturtechnikforschers two Fabians) betrachten Stile als Bälle, Lanzen, Stäbe, Achsen oder Scharniere, weil es nach rhetorischen Institutionen keinen Stil ohne Musterung (decorum) gibt und das decorum adressiert und polarisiert. Das decorum wiederholt Adressierung und Polarisierung. Was wir sehen, blickt uns an. Das ist im kulturtechnischen Sinne das rhetorische (künstliche) Dogma: ein phänomenologischer Schirm. Es gibt nämlich neben dem juristischen Dogma und seiner juristischen Methoden noch ein juridisches, kulturtechnisches, rhetorisches, künstliches Dogma. Dessen Operation besteht schlicht darin, das Begehren dezent, ansprechend, fügsam und wenigstens flüchtig, also mindestens vorbeigehend erscheinen zu lassen. Das künstliche, rhetorische und kulturtechnische Dogma gibt und nimmt und gibt dem Begehren Form.
Es kann sein, dass der Frankfurter Stil ohne Anschluss an relevante Theorieentwicklung bleibt, das geht. Es passiert, also geht es auch. Ob das immer so schlimm ist, das ist eine andere Frage. Wir empfehlen, jeden Text mindestens zweimal zu lesen, einmal dumm, einmal schlau, also ungefähr so, wie der Karlsruher Stil einmal Klaus Manns Buch Mephisto gelesen hat: dumm und schlau. Die Reihenfolge stellen wir anheim. Es wird auf die Reihenfolge, wie im Karlsruher Stil, entscheidend, aber auch nur entscheidend ankommen. Und im übrigen wird die Reihenfolge eher egal sein.
Ceterum Censeo: Österreich war anschlussfähig.

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