I.
Es gibt genug Sachen, die es nicht gibt. Das behauptet unter anderem Eduardo Viveiros de Castro in den Kannibalischen Metaphysiken. I believe it sofort. Credo quia absurdum lautet insoweit eine Formel (eine Übersetzung), die dem antiken Bild- und Rechtswissenschaftler Tertullian, einem der bedeutenden Investoren des Bilderstreits, zugeschrieben wird. 2017 habe ich tatsächlich noch einen Aufsatz zu unreinen Rechtslehren im Staat veröffentlicht. Das gibt es doch gar nicht! Und es ist doch satt vorhanden. Und es faltet sich doch! In der ultimativen Sackgassenzeitschrift, ich! Quasi et in inferno ego.
So schlimm allerdings war weder der Text noch die Veröffentlichung in dem Organ deutscher Staatsrechtslehre. Beides blieb relativ fruchtlos (d.i. relativ fruchtbar). Feedback und Rückmeldungen bis heute drei (in Zahlen: 3; alle drei in brasilianischer Rechtstheorie, genauer gesagt durch Ricardo Spindola, unter anderem in einem legendären 2750-Dollar-Text, alle drei sehr hilfreich). Relevanz gibt es, nur nicht überall. Niemand ist eine Insel, wenn niemand Odysseus ist, gut rumkommt, viele Leute trifft, internationale Abenteuer erlebt, mit der fantastischen Penelope einen fantastischen Sohn Telemachos zeugt, mit der fantastischen Calypso tollen und langen Strandurlaub genießt und on top viele Untertanen hat (wenn auch auf einer Insel). Der Rest der Menschheit ist manchmal eine Insel oder auf einer Insel, manchmal nicht. A wiser fellow than myself once said: Sometimes you eat the bar and sometimes, well, the bar eats you.
Im angestammten Verbreitungsgebiet der Zeitschrift liegt die Relevanz dieses Aufsatzes momentan geschätzt immer noch bei 0, 00. Die Irrelevanz hingegen liegt immerhin 10.99+ ( Stand: 15.09.2026, 13:31). Ich habe sowas (d.i. die Adressierung deutscher Staatsrechtslehrer) damals noch tapfer und zuversichtlich versucht (man bekam auch Geld dafür!). Heute lautet mein Plan, das Buch nach dem Buch über Warburgs Staatstafeln nur auf Portugiesisch zu veröffentlichen. Bringt mehr als Geld! Möge es gelingen.
Wie dem auch sei, früher erschien von mir noch was im Staat. Das war von allen Beteiligten sehr großzügig, auch von mir, weil die Redaktion mir gesagt hatte, meine Forschung sei zwar Kulturwissenschaft, aber keine Rechtswissenschaft; würde man meine Forschung publizieren, könne ja jeder kommen, man könne dann die Zeitschrift dicht machen und ich selbst sei ein netter Kerl.1 Die Wahrheit ist auch, dass ich furchtbar und zu fürchten bin, denn ich vergesse keinen Rat und keinen Abrat, den man mir gibt, auch wenn ich beides verzeihe. Beides (sowohl die Idee, dass jeder kommen kann als auch die Idee, dass man eine Zeitschrift wie ‚Der Staat‘ dicht machen kann) sind keine schlechten Ideen. Der Anmerkung konnte ich etwas abgewinnen. Zur stimmungsvollen Versöhnung durfte ich zwar immer noch nicht meine Forschung vorstellen, aber immerhin Bruno Latour rezensieren und habe es wegen der tollen Ideen dieser fantastischen Redaktion (ich rede hier technisch von Technik, nicht persönlich von Personen) noch einmal getan. Danach habe ich allerdings, mit Martin Kippenberger gesprochen, beim besten Willen keinen Willen entdecken können, dort nochmal zu publizieren. Dieser Entschluss hat niemandem geschadet. Das Gegenteil ist der Fall.
So gibt es heute gewisse Inkonsequenzen und Unbeständigkeiten in der Arbeitsbiographie, schon wenn ich den Text aus gegebenem Anlass (Duves Buch zur unreinen Rechtsgeschichte) wieder hervorkrame. Nicht einmal die eigene Irrelevanz ist rein und unbefleckt oder gar beständig, irgendwann und irgendwo ist doch was relevant. Irgendwann schwingen doch die Türen des Büros: man wird doch gebraucht! Die Inkonsequenzen und die Unbeständigkeit wiederum, die sind gar nicht übel. Das ist sogar gut so, nicht erst seit Homers Odysee. Dazu forsche ich schließlich auch.
Also: den Aufsatz habe ich wieder herausgekramt, weil Thomas Duve sein neues Buch publiziert hat und es dort in vielen Passagen um unreine Rechtslehre geht, in manchen auch im Latours Buch. In den nächsten Tagen werde ich auch Kapitel aus den Bildregeln von 2009 in Diashows verwandeln, aus dem selben Anlaß heraus.
Tapfer scheint mir, wie Thomas Duve deutschen Rechtswissenschaftlern entgegenkommt (einer imaginären Gemeinschaft, nicht nur in Duves Text) und sich dem Imago oder Abbild und Repräsentanz dieser Gemeinschaft gegenüber rechtfertigt, wenn er zur Dynamik des Verhältnisses von Norm, Praxis und Recht schreibt. Nervös macht es mich aber auch, weil alte Konflikte wieder heiß gemacht werden. Das ist sedimentäre Geschichte. Ich sitze im Alltag und denke, jetzt läuft es doch, da wird der Boden unter den Füßen wieder seismisch aktiv. Ich sitze da, schlage mit dem Boden und den Grundlagen aus, ich werde seismisch passioniert. Hilft alles nichts. Rechte und Bilder sollen bestritten und unterhalten werden.
Duves Timeline irritiert mich teilweise, etwa wenn es heißt, dass in den letzten Jahren sich in Sachen westlicher Moderne und ihrer Wissenschaften etwas geändert hätte oder in Bewegung geraten wäre. In Sachen Kunstgeschichte und Bildwissenschaft sagt er das auch. Dann meint er mit „letzten Jahren“ eventuell die die letzten 250-500 Jahre oder zumindest die Zeit um 1890, also die letzten 135 Jahre. Brunelleschis Experiment liegt schon mehr als 500 Jahre zurück, der Maschinenraum der Götter ist mit seiner Kunst und seiner Technik, seinen Normen und seinen Rechten auch antik. Seismische Aktivität, seismische Passionen! Auf jeden Fall ist die Stoßrichtung seinen Buches eine Richtung in die Welt meiner Forschung und Lehre. Die Frage ist nur: Sind diese Stöße auch Schläge ins Gesicht?
Möge auch Thomas Duves Projekt gelingen. Ich bin mal wieder skeptisch, bin ich immer, sogar dann, wenn ich euphorisch begeistert bin. Was meine Lernfähigkeit betrifft finde ich, dass das Zeugnis, dass mir Frau Boedicker am Ende des ersten Schuljahres an der Grundschule Birkenhöhe geschrieben hat, bis heute das treffenste Zeugnis ist, das mir je geschrieben wurde. Ich weiß nicht, inwieweit sich eine Wissenschaft als Community koordinieren muss und inwieweit man die verbessern kann. Ein Stück weit wird man das tun müssen. Die Welt ist im Fall, sie (ge-)fällt, also (be-)zeugen wir was.

Die Welt ist im Fall, sie (ge-)fällt, also (be-)zeugen wir was. Jetzt bin ich schon Opa, und das ist immer noch der bis heute treffenste Review, der mir geschrieben wurde. Da war Frau Boedicker mit Magie und Mantik begabt und sehr hell- und weitsichtig. Nur mit der Kontrolle des Mitteilungsbedürfnisses, da bin ich nicht so sicher. Entweder ist das glatt gelogen oder sie meint Steuerung im Sinne einer ansatzweisen Rheinbegradigung.
Es gibt Unterscheidungen, die man nicht leugnen kann, mit denen man sich aber auch nicht begnügen kann. Die Definitionen westlicher Moderne wären für mich solche Unterscheidungen.
Weder das Recht noch ‚Normensysteme‘, weder soziale Praxis noch Wissenschaft, weder Norm noch Form haben aufgehört, in ihrer Wiederholung auch das zu sein, was in der Antike ars, heute Kunst oder Technik, vereinzelt Kulturtechnik genannt wird. In Bezug auf jede Unterscheidung, auch die der westlichen Moderne, besteht die Kunst und die Technik nun darin, so sagt das Cornelia Vismann in ihrem inzwischen berühmtesten Text, neue operable Unterscheidungen zu treffen, und zwar genau da, wo die Theorie [und die Geschichte, FS] ihre Ununterscheidbarkeit nachgewiesen hat. Die Kunst und die Technik besteht darin, sich und die Welt zu wiederholen, auch exakt da, wo Theorie und Geschichte gezeigt haben dass man und diese Welt am Ende seien. Die Kunst und die Technik besteht darin, zu übersetzen, wo, mit Barbara Cassin gesprochen, die Theorie und die Geschichte Unübersetzbarkeiten markiert haben. Die Kunst und die Technik besteht darin, mit Thomas Duve gesprochen, auch Inkommensurabilitäten händeln zu können.
Die Kunst und die Technik besteht nicht darin, sich eine große Gemeinschaft vorzustellen und sich vorzustellen, man könne sie in die richtige Richtung dirigieren. Das geht auch ohne Kunst und Technik. Selbst Luhmanns Vorstellung, dass sich das Recht erst ausdifferenziert habe und nun diese Ausdifferenzierung wieder abschwächen und sich das westliche Recht als vorübergehende europäische Anomalie herausstellen würde, ist zwar nicht eine Vorstellung von dem Recht, zu dem ich forsche und lehre. Aber ich bin ja auch nicht Luhmann, und was habe ich mit Widerlegung zu schaffen? Alter Grundsatz Baseler Archäologen. Kann man machen, was er tat? Er hat es ja getan, dann kann man das wohl. Leugnet man damit den Unterschied zwischen Recht und Unrecht, zwischen Wahrheit und Lüge? Nein, wieso, darum geht es doch bei Luhmann; man leugnet dann also die Unterschiede nicht, man befasst sich mit ihrer Wiederholung. Man widerlegt Luhmann nicht, man übersetzt ihn, am besten auch so, dass man ihn nicht auf sein Verkürzen verkürzt. Man macht dann vermutlich nicht anderes als Juristen jeden Tag im Alltag machen, wenn die Gesetze oder Verträge lesen. Die arbeiten damit, die gehen damit um, und sei es dadurch, dass sie Umgehungsmöglichkeiten entwickeln. Das tolle am Recht ist die Einlassung auf das, was vorliegt – und die Imaginationen und Inventionen, die dann auch wieder vorgelegt werden.
Die Leute wohnen links vom Rhein, die Leute wohnen rechts vom Rhein. Die Leute sind prosaisch, die Leute sind dramatisch. Ich arbeite nicht zur allgemeinen Ordnung (sondern zur Wiederholung), und ich verstehe meine Arbeit nicht als Direktion für die Community. Wie Marcel Ophüls einmal sagte: Ein Mensch 100 Stunden im Archiv bringt mehr als 100 Menschen eine Stunde im Archiv. Ich bin mit Fleisch und Blut kein Direktor (bin mit Fleisch und Blut dankbar, dass jemand diesen Job macht und mir damit sogar meinen ermöglicht!) und habe inzwischen ein bisschen Routine darin entwickelt, die Außenseiterrolle zu spielen. Ein bisschen Routine! Schon das Buch von Duve lässt mich hier und da zittern, physikalisch zittern. Und das, obwohl oder gerade weil es in meine Richtung geht! Das Buch lässt mich allerdings auch teils ruhen, obwohl oder gerade weil es in meine Richtung geht. Mit Warburg gesprochen: die Lektüre macht mich seitenweise zur Nymphe, seitenweise zum Flussgott. Die Kolleginnen und Kollegen, alle, waren früher widerständig und insistierend. Sie waren früher die Luft, der Wind und der Sturm um Kants Taube herum. Das wird so bleiben.
In dem Feld von Bild, Kunst, Recht und Technik kann man sagen, dass 1896, in dem Moment, wo Aby Warburg anfängt, sich mit dem Recht und den Bildern einmal genauer zu befassen, das Monopol einer westlichen Moderne schon wieder am Ende ist und durch ein polare Vorstellung ersetzt wird, zumindest dann, wenn im 19. Jahrhundert das Modell eines westlich modernen Rechts (eines staatlichen Recht und eines Juristenrechts) jemals ein Monopol besaß. Aby Warburg legt 1929 die Summe und das Manual einer Rechtswissenschaft vor, die aus zwei Tafeln und vielen Bildern besteht. Seine Rechtstheorie und seine Rechtsgeschichte sind nicht im Medium der Sprache, der Schrift, des Buchdruckes manifestiert. Die sind in der Form, im Material, im Medium und in den Techniken dessen manifestiert, was im römischen Recht tabula picta genannt wird und zu dem es seit der Antike eher zuviel als zuwenig Literatur und Wissen gibt als zuwenig.
Der Text im Staat handelt von einer „Unreinen Rechtslehre“, aber nicht im allgemeinen. Es geht nur um ein Buch von Latour. Was ich nicht denke: Dass die westliche Moderne sich als (epistemisches) Monopol jemals durchgesetzt hatte und nun durch ein anderes (epistemisches) Monopol ersetzt wird. Insoweit ist das, was man westliche Moderne nennt, ein Muster.
In den Bildregeln von 2009 komme ich auf eine Kulturtechnik der Musterung zu sprechen, die in rhetorischen Institutionen mit dem Begriff decorum assoziiert wird. Dort heißt es: Keine Adressierung ohne Polarisierung. Keine Polarisierung ohne Adressierung. Bezeichnet man etwas als westliche Moderne, dann gibt man ihm eine Adresse, man adressiert etwas, zum Beispiel in Zeit und Raum; das geht mit Polarisierung einher. Ich denke darum auch nicht, dass wir im Moment einen entscheidenden Bruch von einer monopolaren Welt in eine multipolare Welt erleben. Polarisierung heißt nicht unbedingt, vor allem nicht in meinen Augen, dass eine bisher unpolare Welt nun polar wird oder dass Polarisierung sich vermehren und zunehmen würde. War die Welt vor 14 Tagen noch in Ordnung? Mir nicht! Polarisierung heißt, dass man Polarisierung wiederholt. Ich denke, dass die Welten und Gesellschaften, die man für monopolare Welten und Gesellschaften hält, auch polare Welt waren, sind und sein werden. Polis ist in dieser Perspektive auch polos und polus: eine Welt, in der und durch die alles verkehrt, in der und durch die alles sich dreht, wendet und kippt. Das ist eine ökonomische und ökologische Welt, wenn Ökonomie und Ökologie Begriffe für die Wahrnehmung vom Kreisen und Kursieren und schließlich von solchen Formen und Normen ist, die in aristotelischen Übersetzungen mit dem Lebendigen, der anima, der dynamis, mit energeia und enargeia assoziiert werden.
Ich bin ein Fan von Aby Warburg und Walter Benjamin. Damit dürfte dem einen oder anderen auch schon klar sein, woher die Attraktion stammt, nämlich denen, die wissen, was die beiden teilten (das war nicht nur das Wissen in Sachen Kalendergeschichte, Hermetik, Magie und Mantik). Ich bin schwarzgalliger Melancholiker, wie Aby Warburg und Walter Benjamin. Unsere Epistemologien sind unbeständig. Unbeständigen Menschen zeigt sich das an der Welt, was daran unbeständig ist. Ich kann mir schon Gesichter nicht merken, die jeden Tag gleich aussehen und finde ein Auto nur schwer, wenn es am Abend noch da steht, wo ich es am Morgen geparkt habe. Tief im Inneren behaupte ich mir, mir selbst erstaunlich fröhlich-klamm, dass ich mir das, was Bestand hat, nicht merken und darum auch nicht kümmern und sorgen muss. Und wie Aby Warburg und Walter Benjamin lasse ich mir meine Pathologien nicht einfach privatisieren und zum Wahn oder zur Krankheit erklären. ‚Wie die beiden‘, so versuche ich, daraus eine private Praxis öffentlicher Dinge zu entwickeln. Das ist wohl ein Amt von Privatdozenten und Außerplanmäßigen. Auch darum bin ich mit Fleisch und Blut nicht Direktor, sondern einer, der in Episoden in einer Kammer sitzt und dann in anderen Episoden spazieren, flanieren oder reisen geht und man weiß nicht, wo er jetzt schon wieder ist.
II.
In diesem alten Text lese ich, wie so oft aus der Perspektive von einem, der zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken forscht, Bruno Latours Buch über die Rechtsfabrik.
In dem Buch stellt Latour im letzten Kapitel die Frage nach der Falte, d.i. bei ihm auch die Frage nach der Technik. Falten, ich folge da nicht unbedingt Latour, sind Verhäkelungen, sie sind barock und kannibalisch. Sie sind Mode (Vogue) oder eine jener Wogen, von denen die Basler Archäologen (in dem Fall wörtlich durch Jacob Burkhardt) sagen, dass wir diese Wogen doch zum Teil selbst seien. Sie sind keine Anker. Falten sind auch Schlingen. Sie sind Falter, Diplomaten wie auf Tafel 78 und 79, wie in der Summe und dem Manual von Warburgs Bild- und Rechtswissenschaft. Unrein sind sie, soweit sie etwas verkehren, verzehren oder begehren lassen. Dann kreuzt sich etwas. Etwas kräuselt sich, wie die Oberfläche eines Wassers, in das ein Knabe einen Stein geworfen hat, um der Welt etwas spröde Fremdheit zu entnehmen, unter Umständen sogar, weil er glaubt, auf diese Weise der Welt ihre spröde Fremdheit zu nehmen (von dieser Intention des Knaben geht Hegel in seinen Vorlesungen zur Ästhetik aus).
Falten sind (wie) Wogen und (wie) Wellen:, sie bilden Frequenzen und Sequenzen und sind aus Frequenzen und Sequenzen gebildet. Man kann sie in ihren Operationsketten oder den Stellen und Passagen ihrer graphischen Züge beschreiben, mit ihren Trennungen, Assoziationen und Austauschmanövern; mit ihren Akten und Passionen oder Pathologien, etwa den Pathosformeln.
Falten sind vague. Sie sind (wie) Wüsten, Witwen, Witze (Geister, Geisternde oder sogar Dämonen): wüst ( engl. vast). Falten sind manchmal auch das, was Körper sind, nämlich wenn es heißt: corpus quasi vas. Sie schaffen Distanz und verleiben doch auch etwas. Falten können sogar elegisch sein, nämlich dann, wenn es heißt: et in arcadia ego. Oder sogar: et in Weimar ego! Auch Juristen in der Medienwissenschaft, oder aber: auch Medienwissenschaftler in der Rechtswissenschaft.
Falten können mit kurzen Schatten der Mittagsdämon (die acedia der Wüstenväter) oder, auch mit langem Schatten, die Melancholie sein, nämlich dann, wenn sie dabei kooperieren, dass man hat, was einem fehlt und dann damit (ver-)lustig ist, mal mit viel Schub, mal mit viel Bremsen. Falten können so normal wie pathologisch sein, nämlich dann, wenn sie alltäglich vorkommen und auf diese Weise normal sind und doch Ergriffenheit wahrnehmen lassen, also auf solche Weise pathologisch sind (das Pathos/ die Ergriffenheit und das Ergreifen lesbar machen oder sammeln).
Latours Buch von der Rechtsfabrik ist auch ein Buch zu solchen Falten, und das, obwohl oder gerade weil seine These im letzten Kapitel lautet, dass sich das Recht am wenigsten falten würde, es sei die am wenigsten technische Existenzweise. Ich glaube es ihm nicht. In Vom Scheiden ( Berlin 2015) gibt es dazu eine Passage. Das Verhältnis zwischen der Technik der Antike und der Technik von heute, das Verhältnis zwischen der ars juristischer und rhetorischer Insitutionen und der Artifizialität von heute, zwischen ‚antiker Dogmatik‘ und zeitgenössischer (Kultur-)Technik ist das große Kontinuum. In diesem Verhältnis wird es viel Diskontinuität, viel Kontinuität geben. Ich denke aber, dass man dieses Verhältnis auch als Nachleben der Antike in der Moderne beschreiben kann, wenn man dem folgt, was in der Kulturtechnikforschung die Kette der Übertragungakte (mit ihren jeweiligen Trennungen, Assoziationen und Austauschmanövern) genannt wird. Ich denke sogar, dass Cornelia Vismann, wenn sie von Akten spricht, auch von Pathos, Passion spricht, denn sie assoziiert die Übertragung in dem Aktenbuch mit einem Begehren, das aus der Fülle der Formen kommt. Die Frage nach der Falte stellt Vismann im Buch vom Griechenland, in dem einzigen Buch, dass sie mit einem Mann zusammen geschrieben hat, was für eine Koinzidenz!
Sebastian Gießmann hat übrigens einen fantastischen Text in den Kommentarband zu Latours Buch und zur Frage nach der Falte veröffentlich, der sehr ausführlich ist.2 Von Ino Augsberg gibt es, auch ohne Bezug zu Latour, einen fantastischen Text zu Falten in dem Band zur Aussenwelt der Innenwelt der Aussenwelt des Rechts. Das ist Literatur zu Literaturen, die mit und ohne Recht vorkommen. Alain Pottages hat vor Jahren in einem Band zur Fabrikation der Personen und Dingen einen Text zur Involution geschrieben, einer Einfaltung, damit beschreibt er ein Modell von historischen Berläufen, dass im Kontrast zum Modell der Evolution steht. Derweil gibt es noch die Literaturen der STS, die Arbeiten zu Grenzobjekten oder das Companion-Manifest von Donna Haraway, sie anthropologischen Literaturen, die den Haufen Faltenliteratur ordentlich anschwellen lassen. Im Ozean sind zwei Inseln mindestens, auf einer findet die Tagung deutscher Staatsrechtslehrer, auf der nebenan die der Rechtshistoriker statt. Ein bisschen wie auf Sylt und Föhr, die ja sehr schön und interessant, aber für das Internationale nicht so bekannt sind. Von mir aus soll alles seine Zonen behalten, es gibt auch noch Mods in Mettmann und diese Schwarzwaldtrachten mit den roten Bommeln auf dem Kopf. Hat nämlich alles Vor- und Nachteile, und wie man die Widersprüche dieser Welt entfaltet, dürfte weiterhin widersprüchlich bleiben. Anthropologische Erfahrung: alles was hier vorkommt, kommt auch da vor, nur in anderen Frequenzen und Sequenzen.
Einem Mann mit einem Hammer in der Hand präsentiert sich alles als Nagel. Einem Mann mit Falten im Gesicht (und inzwischen auch am Bauch) zeigt sich der Kosmos in Falten (hier ein Text zu Warburgs Falten).
In allen den Lehrveranstaltungen, in denen ich auch Latours Buch zum Gegenstand gemacht hatte, in denen saßen Studentinnen und Studenten, die auch Geschichte und Theorie studieren, teilweise, nämlich in Basel und Frankfurt, auch Recht. In Weimar studierten sie nur Medienwissenschaft, es sei denn, dass sie in Vismanns oder meine Lehrveranstaltungen gerieten, dann studierten sie auch Recht. Die Schwierigkeiten, über die Thomas Duve in seinem neuen Buch zur historischen Normativitätswissenschaft schreibt, kenne ich sowohl aus der Perspektive deutscher juristischer Fakultäten und Fachbereiche als auch aus der Perspektive von anderen Fachbereichen und Fakultäten. In Brasilien, das sagt auch Duve, fällt es leichter, Forschung und Lehre zum Recht und zu anderem als Recht zu machen. In unbeständiger Gesellschaft ist einiges wendiger. Schwierigkeiten mit dem, was unrein, faltig, verhäkelt oder verschlungen sein soll, die gibt es allerdings zu allen Zeiten und in allen Räumen. Einen spezifischen juristischen Stolz, der darin besteht, zu glauben, man täte etwas in großer, distanzierter Gemeinschaft, hätte es gelernt, würde es beherrschen und wüßte dabei, was man täte, dazu noch ein erstaunliches Vertrauen in Sprache, den habe ich nur an deutschen juristischen Fachbereichen und Fakultäten erfahren. Vielleicht ein Zufall. Zufällig zuviel Abstraktionsprinzip gesoffen? „Wir Juristen haben doch gelernt, dass....“. Ich weiß nicht, wie oft ich das gehört habe. Bestimmt so oft, wie einen der Sätze dazu, dass es bisher no literature until now zu genau dem Thema gäbe, an dem ein deutscher Rechtswissenschaftler gerade sitzt und zu dem er dann seinen Haufen Fußnoten sammelt. Wir Juristen haben doch gelernt, dass es bisher keine Literatur zu neuen Medien, zu digitalen Bildern, zu Affekten, Architekturen und zur Bedeutung von Tischen und Stühlen im Recht oder zu chinesischen, indischen Recht oder zum Tropenrecht gibt. Noch in diesen Wochen, im September 2026 erscheinen Aufsätze mit solchen Formeln. Wir Juristen sind westlich und modern. Wir Juristen haben bis jetzt keine Literatur zu dem geschrieben, was jetzt mit dem Haufen Fußnoten kommt. Liest man immer wieder. Das Gedächtnis ist stolz oder kurz. Völlig falsch muss das nicht sein, die Frage ist nur, was daran richtig ist.
Und es faltet sich doch, das Recht. Irgendwo sitzen immer Gallier oder Schwarzgallige. Es gibt also auch die gegenteiligen Behauptungen: dass es bisher schon haufenweise Literaturen zu allem gibt und dass wir weder westlich noch modern gewesen seien. Man müsste mal zählen, was häufiger behauptet wird. Ein Haufen bildet sich auch so.
Wie immer wird der alte Text jetzt in eine Diashow verwandelt, denn, ich wiederhole mich, so nennt wordpress die Präsentationsform, die ich für meinen alten Text wähle. Der Text wird also abgebildet, das wird er ja immer, wenn er reproduziert wird. Die Diashow ist die Kontrafaktur eines Textes.3 Kontrafaktur nennt man eine Wiederholung, die die Grenze des Wiederholten und der Wiederholung kreuzt. In der Wiederholung einer Kontrafaktur ist das Wiederholte auch von seiner Umgebung getrennt. Die Kontrafaktur einer Stadt zeigt eine Stadt, ohne die Stadtmauern einzureissen. Das Konterfei (d.i. Kontrafaktur) einer mehr oder weniger berühmten Person wischt die Umrisse dieser Person nicht weg. In der Wiederholung, die eine Kontrafaktur ist, ist das Wiederholte vor der Wiederholung getrennt und assoziiert und nach der Wiederholung getrennt und assoziiert. Die Stadt steht immer noch in der Landschaft und über ihr sind immer noch der Himmel und die Wolken, ihr hängt immer noch ein Name und ein Wappen an. Im Konterfei einer Person bleibt die Person ihrer Umgebung, dem Hintergrund und dem Rahmen verbunden. Die Kontrafaktur kreuzt aber die Grenzen der Wiederholung und des Wiederholten – sie nimmt dabei Austauschmanöver vor. Aus einer gebauten Stadt und ihrem Gewimmel wird ein Kupferstich auf Papier, aus dem Fleisch, Blut, Haar, Horn und der Seide einer berühmten Person wird Kreide auf Karton. Aus Worten zum Sonntag wird Montage am Mittwoch. Kontrafakturen sind auch Fiktionen, sie sind technisch, artifiziell oder künstlich. Sie sind rhetorisch, simulierend und dissimulierend. Kontrafakturen sind Kreuzungen. Sie sind dazu noch rekursiv und mimetisch. Falls und wenn einmal etwas kontrafaktisch stabilisiert ist, dann sollte man davon ausgehen, dass Kontrafakturen zum Einsatz kommen. Auch wenn etwas kontrafaktisch bewegt oder instabil ist, wenn es kontrafaktisch unbeständig ist, dann sollte man davon ausgehen, dass Kontrafakturen involviert sind.
Der Begriff der Kontrafaktur hat eine breite, verästelte Geschichte, nicht nur in der Kunstgeschichte, Musikgeschichte und Poetik, auch in der analytischen Philosophie und der Literatur zu den möglichen Welten und in der Systemtheorie taucht er auf. Die Diashow liefert also jetzt, auch ohne systematische Revision der Frage, was die Kontrafaktur auf der Ebene allgemeiner Ordnung sein soll, die Kontrafaktur eines Aufsatzes aus dem Staat. Die Kontrafaktur wird nicht verallgemeinert, sie wird schlicht wiederholt. Der Text von damals wird auch wiederholt, es ist derselbe Text. Die Wiederholung geht dennoch mit Differenz einher.4
Etwas ist jetzt dasselbe und dennoch anders. So was mache ich öfters, seit der ersten Promotion, es ist nämlich Methode und Kulturtechnik. In einer Studie zum juristischen Bilderstreit hatte ich eine Reihe von streitbefangenen Bilder abgebildet, zum Beispiel ein Foto von Caroline von Hannover.5 Alle diese Photos habe ich deutlich als Kontrafakturen abgebildet. Die Grenze des wiederholten Bildes war nie identisch mit der Grenze der Wiederholung. Ich habe mit dem streitbefangenen Foto von Caroline auch den Anwalt abgebildet, der das Foto monumental ausgedruckt und im Gericht den Pressefotografen präsentiert hat; ich habe weiter noch einen Pressetext und Titel mit abgebildet, also das streitbefangenen Bild als Teil eines Emblems und als Kontrafaktur abgebildet. Bei anderen streitbefangenen Bildern habe ich die Bildschirme mit abgedruckt oder die Zeitungseite und einen Tisch. Beim streitbefangen Bild des Bismarckfalls habe ich die Überschrift des Artikeln mitabgedruckt. Das war die erste Arbeit, die überhaupt nicht nur die Texte der Urteile, sondern auch die Bilder mitabdruckte. Die Referenzen habe ich als Kontrafakturen wiederholt.
Die Arbeit war methodisch an der Rhetorik orientiert, die ich für eine historische Normwissenschaft, eine historische Rechtswissenschaft, für eine historische Bildwissenschaft und bis heute auch für eine archäologische Fundgrube der Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken halte. Jetzt behaupte ich, dass das Buch auch ohne begrifflichen Apparat von Krämer, Kittler oder Vismann als Beitrag zu Kulturtechnikforschung gelesen werden kann. Bredekamp tut das in seinem Buch zum Bildakt.6 Dem Bredekamp war klar, dass ich von Akten schreibe und Akte(n) kulturtechnische Objekte, Subjekte, Handlungen und Praxis sein können. Kulturtechnikforscher können übersetzen. Vismann las das als Kulturtechnikforschung, obwohl der Begriffsapparat doch systemtheoretisch geprägt war, das war er bei Vismanns Dissertation aber teilweise auch. Aus dem Fragestellungen und Interessen, die Vismanm und ich teilten, entstand auch das Projekt zu den Bildregimen, zu dem u.a. Vismann ein Buch herausgegen hat, da wanderte das Foto vom Bismarckfall auf das Cover.
Die damalige Praxis der Abbildung, die Austmanöver in den Begriffsapparaten, und jetzt die Verwandlung von Texten in Diashows, das mag wahnsinnig sein, es hat aber Methode. Die Methode besteht darin, Rechtswissenschaft auch als Bildwissenschaft und auch als Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken zu verstehen. Ich reagiere damit auf Fragestellungen, die zum Beispiel auch Thomas Duve umtreiben und zu denen er sein neues Buch über historisches Normativitätswissen geschrieben hat. Meine Wissenschaft ist eine der vielen, vielen unreinen Rechtslehren, die auch in der westlichen Moderne immer kursierten und nirgends zum Verschwinden gebracht wurden. Jetzt also wieder Diashow:.
III.
Es soll unterstellt werden, dass auf jede reine Rechtslehre eine unreine Rechtslehre kommt. Es soll unterstellt werden, dass es soviele reine Rechtslehren wie unreine Rechtslehren gibt. Man mag von mir aus gerne fragen, ob und wie es ein Gleichgewicht im Verhältnis zwischen reinen Rechtslehren und unreinen Rechtslehren gibt, ob es hier eine herrschende Meinung und eine beherrschte Meinung gibt. Ich nicht! Ich frage das nicht. Herrschaft erforsche ich nicht, ich erforsche eher Kulturtechnik und Begehren. Wie mächtig etwas ist, das müssen mir andere sagen, am besten die, die sich da besser auskennen und das bestimmen können. Wie mächtig die westliche Moderne war und ist, wie sie beherrscht wird? To be honest: I’m not sure. Nicht, dass ich nichts wüßte. Das Wissen, von dem ich ausgehe, dass es nicht privat und insoweit auch nicht ‚mein Wissen‘ ist, von mir aber geteilt wird, das ist auch melancholisch, vague, polar, meteorologisch und unbeständig. Ich weiß über das Recht und die Regierung insoweit soviel, wie über Regen, Regie und Regung. Der Regimebegriff ist weiter als es Thomas Duve nahelegt. Vismann und Ich haben in dem Projekt zu Bildregimen kooperiert, in dem der Begriff des Regimes nicht an Stabilität gekoppelt ist – er umfasst neben dem Regieren auch das Regen und die Regung, sogar meteorologisches Regen und meteorologische Regung (im Buch am Beispiel von Wolkenbildern). Dieser Regimebegriff geht erstens mit einem Regimebild einher, und beide umfassen die Bewegung der Bilder (beide Genitive!).
Meine Fragen sind Übersetzungen von Fragen Warburgs: How to reign the rain? Wie soll man sich nach dem Regen richten? Wie händelt man die Unbeständigkeit des Rechts? Wie händelt man die Meteore, Boliden, Vulkane, die Wolken, Stürme, Fluten und den Regen mit dem Recht? Ich rede nicht von Instabilität. Ich schreibe von Unbeständigkeit, die ist nämlich keine Leere, keine Bestandslosigkeit, keine Abwesenheit von Bestand sie ist bestandsfrei und wechselt durchgehend und anhaltend die Bestände. Sie geht mit Stabilität und Bewegung, mit Stillstand und Bewegung einher. Der Laokoon ist nicht das einzige Bild dafür, mir aber ein besonders berühmtes und besonders umstrittenes Beispiel. Ich fokussiere Austauschmanöver und Verwechslungen eventuell stärker, als andere es tun, wenn sie auf Stabilität, Gleichgewicht oder Homöostase oder Autopoiesis zielen, das ist aber völlig ungewiss. Ich Ziele deutlich auf Polarität, auf das Vague, die Meteorologie und die Melancholie – ich sitze auf einem Haufen Literatur von Juristen und Rechtswissenschaftlern, die das auch tun. Zitiere ich jetzt nicht. Darlegungslast: soll mir erstmal jemand die Lücke beweisen und die schon zum Kalauer verkommene No-literature-until-now-These belegen, dann zücke ich meine Asse aus dem Ärmel.
Ich forsche zum iconic turn, weil ich glaube, dass iconic turn immer dann ist, wenn Bilder an- oder abturnen, wenn sie aufregen, abregen und anregen. Das, so denke ich, ist nicht erst seitdem der Fall, seitdem Neandertaler träumen und seitdem Lucy Visionen hatte. Meine westliche Moderne ist eine, die durch Zeit und Raum pendelt und in der Antike nachlebt. Sie kommt auch aus dem Osten und geht in den Osten, sie ist in Episoden hier, in Episoden dort.
Mir reicht, das beides vorkommt: reines Recht und unreines Recht – und die These, dass das zu sämtlichen Zeiten und überall der Fall war, ist und sein wird. Warum? Weil beide Rechte eine Form haben und eine Norm sind, die die Unterscheidung zwischen Reinheit und Unreinheit praktisch und poetisch wiederholt. Mitten in Kelsens Rechtslehre sitzen schon Vaihinger und die Physiologen. Klaus Ceynowa hat dazu einen der wichtigen Kommentare zur Fiktionalität der Grundnorm in den 1990′ er Jahren geschrieben (das war seine Dissertation).7 .
Beide Lehren, ob rein oder unrein, wiederholen in der Form und in der Norm (in der Form der Norm) die Unterscheidung zwischen Reinheit und Unreinheit. Die Kontrafaktur ist eine Kreuzung, die die Welt nicht unbedingt reiner oder unreiner macht. Kulturtechnisch betrachtet ist die Kontrafaktur das Element von Operationsketten und, so nenne ich das lieber, ein graphischer Zug, unbedingt auch ein Bild, eine Bildung (eine Generierung operativer Ontologie), ein Bilder, eine Abbildung und eine Vorbildung, eine Einbildung (da ist Einbildungkraft oder ein ‚image mental‘ mit am Werk) , eine Ausbildung und eine Umbildung, sie instituiert und substituiert etwas. Die Kontrafaktur ist eine Wiederholung, die wiederholt werden soll, auch wenn jemand ihr Ende bezeugt hat. Die Antike am Ende, die Kunst am Ende, Deutschland ist kein Staat mehr, der Westen am Ende, die Menschheit am Ende, die Welt und ihre Globalisierung am Ende, der Luhmann am Ende, der Steinhauer am Ende: wir sollen das wiederholen, so fröhlich und klamm wie damals, als das alles noch im Original, noch frisch, lebendig und glatt wie meine Wangen im Sommer 74 vorgekommen sein soll.

Die Kontrafaktur ist mimetisch und rekursiv. Sie ist eine Operation und Operationalisierung. Sie wiederholt Trennungen, Assoziationen und Austauschmanöver. Sie kann auch Kommunikation und dann wiederum Variation, Selektion und Restabilisierung sein, aber dazu forsche ich zumindest momentan nicht. Dazu, was an der Kontrafaktur Kommunikation ist, dazu müsste man eventuell Systemtheoretiker befragen (es gibt bestimmt noch welche!), die wissen das besser.
Heute ist der 15. September. Zum Geburtstag alles Liebe und Gute, to whom it may concern.
- A.A. Jens Kersten, JZ 2015, S. 888 ↩︎
- Sebastian Gießmann, Registrieren, Identifizieren, Zuweisen. Produktion und Technizität des Rechts bei Bruno Latour, in; Marcus Twellmann (Hg.), Wissen, wie Recht ist. Bruno Latours empirische Philosophie einer Existenweise, Konstanz 2016, S. 93-112 ↩︎
- Vgl. zur Kontrafaktur und zu Kontrafaktischem unter anderem mit anschaulichen Abbildungen aus dem Leben eines jungen Staatsrechtslehrers und mit Listen zur Geschichte des Als-ob die anarchistische und antiakademische Dissertation: Fabian Steinhauer, Regel und Fiktion. Zur normativen Kraft des Kontrafaktischen, Wuppertal 2001 (online hier). ↩︎
- Dazu Gilles Deleuze, Differenz und Wiederholung, München 2007 ↩︎
- Fabian Steinhauer, Bildregeln. Studien zum juristischen Bilderstreit, München 2009 ↩︎
- Horst Bredekamp, Theorie des Bildakts. Frankfurter Adorno Vorlesung 2007, S. 15 die die Kooperation zwischen juristischen Methoden und juridischen Kulturtechniken (die Kooperation von Bild, Recht und Rhetorik) eine Aufrüstung nennt, das wiederum würde ich auch mit Vesting-Akt übersetzen: Wir reden von Übertragungsakten und Schichtungen. ↩︎
- Klaus Ceynowa, Zwischen Pragmatismus und Fiktionalismus: Hans Vaihingers „Philosophie des Als Ob“, Würzburg 1993 ↩︎











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