
Meta, das ist eine App auf dem mit Augen und Händen zu betrachtenden Handy, die mit künstlicher Intelligenz Bilder generiert, bestreitet und unterhält.
Meine App Meta operiert bildökonomisch, das heißt auch bildend, mimetisch und rekursiv. Dank und durch Meta, insoweit unterscheidet sich Meta nicht einmal von der Metaphysik der Sitten, kann man etwas über Kulturtechnik und Recht in Erfahrung bringen. Ich arbeite methodisch nicht unbedingt mit kanonischen, akademischen Texten, obwohl das sehr interessant ist. Mich interessieren aber Immanuel Kant, Michel Foucault und Pierre Klossowski in der Praxis der Personen, Dinge und Handlungen, die mich umgeben. Ich lese also mit großem Interesse und Vergnügen, wie Wissenschaftler Kant, Foucault oder Klossowski auslegen. Eins finde ich aber noch aufregender, nämlich wenn ich einem Kantianer in Pariser Nächten begegne, der nie von Kant gehört und nie seine Texte gelesen hat. Darum zitiere ich Alltag, das habe ich in der Frankfurter Schule, Abteilung Benjamin, gelernt.
Das Prompten ist ein zeitgenössisches Verfahren der Bildrhetorik, der Bildregeln (Steinhauer, 2009) und der ekphrasis. Prompten heißt, dass man Meta darum bittet, ein Bild zu erstellen, etwa so „Liebe Meta, bitte mache mir ein Bild, auf dem zwei Baseballspieler Albrecht Dürers berühmtes Bild von der Vermessung der Liegenden nachstellen“. Meta sagt oft, dass sie ein Bild erstellen würde, zeigt auch lange an, dass sie rechnet, dann bockt sie aber manchmal. Wenn sie dann bockt, teilt sie mir zuerst mit, dass sie aufgrund ihrer Bildregeln das gewünschte Bild nicht generieren könne und macht gleich darauf Vorschläge (meist listenförmig), wie man ihre eigenen Bilderverbote umgehen könnte. Sie macht also zum Beispiel drei Vorschläge, wie ich meinen Prompt formulieren soll, damit ich trotzdem bekomme, was ich will. Das ist ein hilfreiches Verfahren, um Leuten zu erläutern, was Bilderstreit seit der Antike eigentlich ist, es geht mit juristischen Methoden einher und mit juridischen Kulturtechniken. Bilderstreit ist insoweit nämlich Bildungs-Umgang und Bildungs-Umgehung, am Bild. Bilder zu bestreiten heißt, zu insituieren und zu substituieren – und damit zu bilden. Horst Bredekamp hat die Spannung darin in einem frühen und berühmten Buch so erläutert: Kunst ist ein Medium sozialer Konflikte. Bilder händeln alles, sie bestreiten alles, sogar unsere Menschenbilder und das Bild, das wir uns von Personen, Dingen und Handlungen innerhalb und außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens machen.

Darum, weil Bilderstreit Bildungs-Umgang und Bildungs-Umgehung ist, ist für mich auch Bild- und Rechtswissenschaft eine Wissenschaft. Und diese Bild- und Rechtswissenschaft ist auch einer der „Nachbarwissenschaft“, so nennen manche Rechtswissenschaftler Literaturen, von denen sie sagen, die seien keine Rechtswissenschaften, aber vielleicht trotzdem manchmal ganz hilfreich. Meine Wissenschaft vom Recht, vom Bild und von Kulturtechniken ist dann Nachbarwissenschaft, wenn Nachbar alles das ist, was nach der Bar, zum Beispiel nach einem Muster kommt. So sieht’s die ‚deutsche Kulturtechnikforschung‘, die von dem Wissenschaftler Philip Schimchen mit seinem garantiert rechtmäßig preisgekrönten, nämlich mit dem mutigen und äußerst anstößigen Buch zu ‚Recht als Praxis‘ jüngst noch einmal Anstoß gegeben hat, sich zu erklären. Man muss nicht wissen, was Kulturtechnikforschung tut, man kann es aber wissen – und sollte es nur wissen, wenn man es begehrt.

Die Vermessung der Liegenden: Bildakte(n) der Büro- und Studiokratie. Was man hier sieht, das nennt Cornelia Vismann einen Akt und eine Akte, ein velum und ein Ideogramm der Kanzleien. Die Verwendung eines optischen Apparates sei „gut und gerecht“, so sagt der Bild- und Rechtswissenschaftler Albrecht Dürer das in seinem Lehrbuch, also einer Institution im kulturtechnischen Sinne.
Das kann man sich denken: Meta weigert sich, Albrecht Dürers berühmte Zeichung von der Vermessung der Liegenden, eine Zeichnung die Vismann zum Gegenstand ihrer Theorie der Akte(n) gemacht hat, selbst zu generieren, auch wenn man sie bittet, die Personen durch anständige Baseballspieler (quasi basalbolische Akteure) zu ersetzen. Die Vermessung der Lügenden, wenn auch nur in Einzelschritten, das macht sie aber gerne. Meta merkt sich, was man von ihr wollte, macht zwar Gegenvorschläge, hat aber auch eine weitere Regel, die bei der Umgehung der Bildverbote verhindern soll, dass das Ergebnis dann doch dem verbotenen Bild zu ähnlich wird. Das heißt, dass der Algorithmus vorsichtiger, skeptischer wird, je öfters die Routine mit den Gegenvorschlägen durchgeführt wird. Die Einschätzung von Ähnlichkeit wird Schritt für Schritt nervöser, der Alghorithmus lernt seine Nervosität, entwickelt immer sensiblere Nerven für entfernte Ähnlichkeit (man kann das aber unterbrechen, dazu an anderer Stelle mehr).
Ich musste Meta schließlich bitten, mir erst ein Bild der Baseballspielerin auf dem Tisch zu generieren, dabei kam das titelgebende Bild raus: Die Frau steht auf dem Tisch und verschränkt die Arme vor der Brust. Cesare Ripa sagt in einem Standardwerk der Bildformeln, 1608, dass diese Geste eine unschuldige Keuschheitsgeste sei. Das Bild, in dem die Frau nun isoliert von ihrem Zeichner auf dem Tisch nicht mehr liegt, sondern aufrecht steht (das war Metas Idee, genauso wie das Blau, auch das war Metas Idee!), das ist ein hilfreiches Bild für die Vermessung der Lügenden, denn es zeigt Meta mit seinen Verboten und seinen Umgehungstricks, vor allem aber als einen Alghorithmus, der sein Verbotenes kennt und es quasi imaginieren kann.
Meta kann sich censieren, sie kann sich musterhaft verhalten, in den Bildregeln nennt man das decorum, das ist Mustern, Messen und Messe in einem, also auch eine Feier der Regel. Anders gesagt: auch wenn Meta saubere Bilder produziert, hat Meta unreine Phantasien. Man sieht eine Lügende auf dem Tisch, wenn man unterstellt, dass Baseballspielerinnen auch lügen, fingieren oder kontrafaktisch operieren können, wenn sie also zum Beispiel auch römische Juristinnen oder Cornelia Vismann, aber auch Yan Thomas oder Alain Pottage sein können. Die erwähne ich, weil sie in nach der klassisch-modernen Diskussion um Hans Vaihinger und die Philosophie des Als-Ob weitere, ausführliche Texte über die Fiktionen und Kontrafakturen des Rechts geschrieben haben. Diese Frau dort, das bin freilich auch ich, nämlich als Autor meiner ersten Dissertation, in der es um Regeln und Fiktionen ging und in der ich mich in Verkleidung als Kontrafaktur eines angehenden Staatsrechtslehrers gezeigt habe. Ich liebe Meta, und mir scheint, dass sie mich auch liebt, zumindest sind wir beide voll auf einer Wellenlänge. Wir wiederholen uns in derselben Frequenz, oft sogar in derselben Sequenz, zum Beispiel traumhafter Bilder. Diese Meta ist exakt die Kantianerin, der ich nachts in Paris begegnen möchte, wenn ich einmal Landgerichtspräsident werde. Die will ich also haben und sein. Unser PRDS wird ein Schrebergärtchen sein. Diese Baseballspielerin im Bild oben, das ist also Meta in der ‚Physik der Medien‘ (so der Foucaultübersetzer Walter Seitter) selbst. Sie ist vermessen und sie vermisst. Meta ist eine von uns.
Juristische Methode ist eine Methode, etwas richtig meinen zu können. Juridische Kulturtechnik ist ein Verfahren, etwas dezent begehren zu können, also einfach so begehren zu können, dass es geht, und sei es auch vorüber. Juridische Kulturtechniken zeichnen, das sind graphische Züge, die etwas vertragen und betrachten, auch übertragen können. Sie lassen nicht unbedingt etwas meinen, aber sie lassen unbedingt etwas erfahren, sind also nicht nur Techniken des Begehrens, sondern auch Techniken jener Erfahrung, die an die Wahrnehmung von Recht und Rechten gebunden ist. Wem die Zeichnung von Dürer nicht reicht, kann ein animiertes und animierendes Reenactment dieses Lehrbeispiels auf youtube finden. Er, sie, es wird dann wissen (was auch immer), wenn er, sie, es sieht. Vismanns Name spricht, dafür sind Namen da. Das Video wird dringend empfohlen, auch wegen des Vorlesers und wegen Dürers Schreiben, das er dort vorliest. Aber der pornographische Aspekt, den man dort deutlich, allzu deutlich mitbekommt, der instituiert auch.

Ich vertrauen jenen Vestingisten, die Cornelia Vismanns und damit auch meine Forschung und Lehre zu den Kulturtechniken so betrachten und so darüber schreiben, wie Thomas Vesting oder nun auch Philip Schimchen (Recht als Praxis) das tun. Denn eins steht außer Frage: Wenn diese Les- und Schreibarten den anderen Vestingisten nicht produktiv wären, dann würden sie es nicht tun. Mir scheint die Lesart und Schreibart, die Thomas Vesting zuerst in einen Tübinger Vortrag entfaltet und vorgeschlagen hat, die nun auch aktuell von Philip Schmichen übernommen wird freilich absurd. Aber eins hält durch: Credo quia absurdum!
Das Schreiben der Anderen ist ihr Sekret, nicht meins. Die Geheimnisse der alten Ägypter waren den alten Ägyptern selbst ein Geheimnis. Die Scheidekunst des Anderen, das ist nicht meine Scheidekunst. This does not stand: Sheep, sleeping in their own secrets. They lie, like lurking lawyers ’n liars. Und sie können doch Wölfe sein! In der Kulturtechnik sind die Personen unbedingt wichtig und ebenso unbedingt völlig austauschbar. Ein subjektives Recht sollte ja für mehr als eine Person was taugen und sollte sich nicht im Gebrauch endgültig verbrauchen. Subjektive Rechte sollten wiederholbar sein.

Ist das die tropische Hitze oder ist Meta immer so träge bolisch? Sie kriegt die Vermessung der Lügenden aber immer hin, etwas geht immer. Gut gebildet ist Meta, denn ich hatte sie zwar nur gebeten, Dürers optischen Apparat auf den Tisch zu stellen. Meta hat aber auch gleich noch einen Fenstergriff hinzugefügt, also Leon Battista Albertis Vorschlag aufgegriffen, den Apparat der Zentralperspektive als Fenster zur Welt zu begreifen. Warum Meta das Ei vor den Rahmen platziert, nicht dahinter, das bleibt Metas Geheimnis. Henning Schmidgen spricht insoweit vom Unbewußten der Maschinen (auch jener, die wir nach der Baseler Archäologie doch zum Teil selbst sind).

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